weil die Mosik, wenn ihre Erlernung eine Beglöckung und Bereicherung darstellen soll, eine dusgesprochen eigene Begobung voroussetzt. Um die bildende Konst zum wirk- samen Erlebnis einer geistigen Entwicklung werden zu las-— sen, bedarf es hingegen nor eines offenen Auges und eines einföhlsamen Geistes.
PROF. JOSEF HENSELMANN
präsident der Hochschole der Bildenden Könste Mönchen
Der einzige aussichtsreiche Weg zor Schließung der Kloft zwischen der Kunst und dem Volk und zur Hebung des Geschmackes der breiten Schichten des Volkes liegt dorin, duf die Jogend in den Schulen rechtzeitig und nachdröcklich geschmackbildend zu wirken durch eine gute, systemdotische Kunsterziehung. Eine solche Erziehung kann nor der Fachmann vermitteln, d. h. der Könstler, der durch sein Beispiel duf die Schöler anregend wirkt. Der Kunst-— onterricht dorf nicht einseitig sein; er darf also nicht das Zeichnen oder die Kunstgeschichte ungerechtfertigt bevor- zugen, sondern er muß den Geschmack und alle könstle-— rischen Fähigkeiten der Schöler gleichmäßig bilden. Auf den Schulen, insbesondere auf den höheren Schulen, wer-— den die Leute erzogen, die spöter in einflußreichen Stel- longen der Wirtschaft, der öffentlichen Verwaltung, der Kirche Kunstwerke anschaffen und Aufträge an Könstler vergeben, deren Kunstverständnis also sehr weittragende Auswirkungen auf dos könstlerische Leben hatf; doch dus diesem Grunde ist der Kunstunterricht in der Schule von größter Bedeutfung.
Unser gesamtes Bildungswesen krankt an einer Uberbewer- tong des Verstandes und seiner Pflege zum Nachteil der anderen geistigen Kräfte und ihrer Ausbildung, insbeson-— dere zum Nachteil der musischen Anlagen und ihrer Förde- rong. Die große Bedeutung der Kunsterziehung in der Schole liegt darin, daß sie berofen ist, das verlorengegan- gene Gleichgewicht zwischen den intellektuellen und den mösischen Kräften im Menschen wiederherzustellen- zum Vorteil der menschlichen Persönlichkeit und zum Yorteil der Bestrebungen, der Kunst wieder den geböhrenden Platz im Leben des einzelnen und des ganzen Volkes zu verschaffen.
DR. WALITER PASSARGE
Direktor der Städtischen Kunsthalle Mannheim
„Bildet zuerst das deutsche Auge, das solange dem deut- schen Ohr nachbleibt.“
Diese mahnenden Worte Jean Pauls haben noch nichts von ihrer grundlegenden Bedeutung verloren. Leider werden sie in der heutigen Unterrichtspraxis noch immer viel zu wenig beachtet. Es muß deshalb einmal deutlich gesagt werden: Die könstlerische Erziehung ist för die Jugend von dem gleichen Eöert wie die heute fast allein herrschende wissenschaftliche Unterweisung. Diese Erkenntnis, die fröher einst gerade in Deutschland erurbeitet worden ist, hat seither in vielen Kolturnationen zu einer grundlegen-— den Umgestaltung des Erziehungswesens geföhrt. Es ist an der Zeit, daß wir auch in Deutschland, das so wertvolle Impulse för die Kunstpädagogik gegeben hat, der möusi- schen Erziehung des ſöngen Menschen endlich den Platz einräumen, der ihr geböhrt. Ich glaube, daß nör eine Bil- dong, die den ganzen Menschen ergreift, in der Lage ist, Persönlichkeiten heranzuziehen, die den Aufgaben der kommenden Zeit in jeder Weise gewachsen sind.
Entworf zu einem Fabrikbau(Mittelstofe)
MINISTERALRAIT DR. WALITER KEM, MUNCHEN
Die politische Grundfrage der Demokratie ist die der Er- ziehung.„Harmonisch“ erzogene(d. h. innerlich geordnete) Menschen werden auch in äußerer Ordnung und Einheit zusammenleben und so dem Gemeinwohl dienen. Eine echte,„humane“ Bildung soll alle menschlichen Fähigkeiten ond Anlagen aoufeinander abstimmen, fördern und ent-— wickeln. Seit langer Zeit sind- mon kann dos wohl schwer bestreiten- duf Kosten der intuitiv-schöpferischen(d. h. der im weitesten Sinne mösischen) Fähigkeiten die Kräfte des Intellekts gebildet worden; und oft worde bei der Pflege des Mosischen mehr östhetisches Tatsachenwissen ver-— mittelt, als dessen Ordnungsfunktion betont. Die heutige Kunsterziehung muß nofwendiger Bestandteil der so viel
Wohnraum-Entworf- Schrägprojektion(Mittelstofe)
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