solchen Satz dofzustellen, aber sind denn die Kuſturgrund- lagen auf anderen Gebieten zu suchen? Efwa in der Er-— höhung des Lebensstandards? Eine Kuſtur ohne Reich-— tum ist durchaus möglich. Eine Kulſtur ohne könstlerische Er- ziehung oder, anders dosgedröckt, ohne Geschmacksbil— dung, ist jedoch unmöglich. Die Geschmocksbildung muß allumfassend sein, angefangen vom fäglichen Gebrouchs- gegenstand bis zum Bild und zur Plastik. Nor dof der Grundlage einer allgemeinen Geschmacksbildung, die schon den jongen Menschen erfaßt, sind Spitzenleistungen der Kulſtur erreichbar, die eine Generation mitzureißen vermögen.
PROF. DR. TIBURTIUS Senotor för Volksbildung Berlin
Obwohl manche Meinungsverschiedenheiten öber die Fra- gen der Jogenderziehung bestehen, begegnet man heufe der einmötigen Auffassung, daß es vordringliche Aufgabe der Schule ist, alle guten Anlagen und Kräfte der Jugend harmonisch zu bilden. Weite Kreise der pädagogischen Welt befonen, daß eine einseitige Schätzung des Intellekts in der Bildung der Jugend unerfreuliche Folgen zeitige und daß der Entwicklung der Kräffe geföhlsmäßigen Aufneh- mens, gestoltenden Ausdrucks und churakterlicher Bewöh- rung besondere Aufmerksomkeit geschenkt werden mösse. Die große Bedeufung der musischen Erziehung in der Schuöle beruht daroouf, daß hier der junge Mensch ermuntert wird, sich ausdrocksmäßig ohne Scheu mitzuteilen, die Sinne dem Empfang von Eindröcken dus der Umwelt öber das Sichtbure, Tastbare, Hörbare, Spörbare und zu Er— ahnende zu öffnen und sich selbständigem Planen und Ge— stalten hinzugeben. UÜber die UÜbung und Verfeinerung der
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Organe hinaus verhilft die musische Erziehung dem jungen Menschen zu Fähigkeiten, Fertigkeiten und Tugenden, die doch der praktischen Bewährung im Lebenskampf dienen. Die geistige und chorakterliche Entwicklung der Jogend wird dorch eine vielseifige musische Erziehung wohltätig beeinflußt.
STIADTRAT DR. KARL VOM RATH Kulturdezernent der Stadt Frankfurt a. M.
Die unvergäönglichen Werte der bildenden Kunst von der Antike bis in die jöngere Zeitepoche hinein der Jogend zu erschließen und sie damit vertraut zu machen, halte ich för die dringendste und wichtigste Erziehungsdufgabe. Denn die einmalige Harmonie eines Kunstwerkes, die sich dos Chaos ond Wirrnis der Jahrhunderte herouskristallisiert hat, weckt nicht nur den Schönheitssinn und den Geschmack, sondern bildet die Grundlage zur Ethik der werdenden persönlichkeit. Aber eine solche Aufnahmeföhigkeit ver- langt eine regelmäßige Schulong von Auge, Geist und Stil— geföhl. Richtiges Sehen will gelernt sein. Zor Bildung eines eigenen Urteils gehört Können; duch dof diesem Gebiet gibt es wie öberall Meister und Stömper. Um der jöngeren Generation ein storkes Gegengewicht, eine öberzeugende Vergleichsmöglichkeit gegen die Vermassung, Verflachung ond Schnellebigkeit dieser Zeit mitzugeben, halfe ich es för ein undbwendbares Erfordernis, den Konsterziehern die Stundenzohl im Lehrplan einzuréumen, die sie zur Er-— föllong ihrer gewiß nicht leichten Berufung brauchen. S0 sehr die Mosikerziehung zu begrößen ist, wage ich doch zu behaupfen, daß der Kreis der för die bildende Kunst zu gewinnenden Jogend größer ist als die Schar der för die Mosik Begeisterungsfähigen, dus dem einfachen Grunde,
Weiden- Weiße Tusche (Mittelstuofe)


