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Vollständiges deutschlettisches und lettischdeutsches Lexicon, : nach den Hauptdialecten in Lief- und Curland ausgefertigt / von Jacob Lange, Generalsuperintendenten des Herzogthums Liefland [et]c.
Entstehung
Seite
IIII
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IV. Vorrede.

Dieſes, mein zeſer, war alles, was ich im Jahr 1739 und 40 vor mir fand, als ich die analytiſche Arbeit dieſer Landesſprache uͤber⸗ nahm. Wir nehmen in unſern Tagen, an den Gelehrten und Kunſt⸗ richtern einen neugebohrnen Wetteifer wahr, Sprachen zu bearbeiten und auch in unſerm froſtigen Norden fehlet es an dieſer Muͤhe nicht. Man hat zuweilen ein kunſtrichteriſches Auge auf die Sprache der Thiere

gerichtet; man hat ihre Zeichen und Toͤne zu unterſcheiden geſucht, wann

man ein Dolmetſcher ihrer Triebe und Empfindungen hat ſeyn wollen: und eine Strecke Landes faſt von Memel bis Walk, ein chriſtliches Volk, deſſen aͤuſſeres Schickſal dem innern Seelenwerthe nichts benimmt, ſollte nur immer durch halbverſtandene Worte angehoͤret, und durch einen ſchwankenden Ausdruck geleitet werden?

Der arme lette traͤgt uns keine Urkunden weder von ſeinem Ur⸗ ſprunge noch von ſeiner Sprache entgegen. Soll er uns oft dieſes und jenes Wort, oder eine Redensart erklaͤren, wie unbeſtimmt ſiehet es nicht aus! Oft werden wir durch ſeine Einfalt bey allem ſeinem guten Willen betrogen, und eine lange Erfahrung hat dieſe Klage erheblich gemacht. Gleichwohl verbinden die lieflaͤndiſchen Kirchengeſezze das Gewiſſen jedes lehrers, die Sprache, worinn geprediget wird,*) recht und rein zu reden.

Der Geiſt Gottes hielte den Vortrag ſeiner Wahrheiten durch Apo⸗ ſtel, denen die Sprache nicht angeboren war, ſo wehrt, daß er darinn ſelbſt Lehrmeiſter ward, und er ließ dieſe Bothen ſich nicht nur obenhin **) in einer jeden Sprache verſtaͤndlich machen, ſondern ſie konnten

auch

9 Siehe Kirchenordnnng de Anno 1587 Cap. 11. pag. 10. Lin. 16.

**) Was der Geiſt den Apoſteln gab, waren Acoo, Sprachen Act. 11. v. 4. wie es die Zuhsrer horeten und faſſeten, war es: I r 3. aXewrch der eigne Provinzial⸗Dialekt v. 8. 5