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Hinsichten auf die Ewigkeit. : Erster und zweiter Theil / D. Ludwig Benjamin Ouvrier gewesenen öffentlichen Lehrers der Gottesgelahrtheit und zwyten Superintendenten in Gießen
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386
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386 Groſe Pflicht der wahren Dankbarkeit

nehmungen und Anſchlaͤgen, und allem meinem Thun und Geſchaͤften. Er ermuntre mich, und lehre mich recht thun, er ſtaͤrke mich unter Schwierigkeiten, er erfreue mich unter den Leiden, er heilige meine Freu⸗ den, und ſchroͤcke mich von jeder Suͤnde zuruͤck; und wo mein ſchwacher Fuß ſtrauchelte, und mein Herz fehlte, da fuͤhre er mich bald zuruͤck auf deine Wege, damit ich das Boͤſe ablege, und beſſere. Und ſo laß denn jeden Abend meines Lebens Freude und Wonne in meine Seele bringen, einen Tag gelebt zu haben. Nie muͤſſe mich an demſelben ein Vorwurf des Gewiſſens niederſchlagen, nie mein Herz es be⸗ reuen, dieſen Tag gelebt zu haben. Scharf und ge⸗ nau laß aber ſtets die Unterſuchung meines Lebens ſeyn, und nie laß mich ohne ein frohes Bewußtſeyn deiner Gnade in die Arme des Schlafs fallen. Mein Beruf iſt ſtets vollkommner zu werden, immer mehr meinem Erloͤſer aͤhnlich zu werden, und mit jedem Tage weitere Schritte in meiner Erkenntniß, meinem Glauben, meiner Gottſeligkeit und Hofnung zu thun. Nie ſey mein Herz mit ſich ſelbſt zufrieden, ſondern immerwaͤhrend ſey es meine Frage: bin ich beſſer, und dem hohen Urbilde, meinem Erloͤſer, naͤher gekom⸗ men. Ermuntere mich jeden Tag zu dieſem heiligen Eifer, und alles was um mich iſt, und was ich bin, und was ich habe und erfahre, werde mir Antrieb, ſtarke Fortſchritte auf den Wegen des Heils zu thun. Dann werde ich froh meinen lezten Abend einbrechen ſehen, mit hoher Zufriedenheit meine Wallfahrt beſchlieſen und zu den Freuden der Ewigkeit uͤbergehen.

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Laß Herr, im Guten meinen Fleiß zu ſtaͤrken,

Mich nutzen Zeit und Ort zu edlen Werken

Und hilf, daß ich der Suͤnden Reiz und Freude

Vorſichtig meide. Gieb