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Hinsichten auf die Ewigkeit. : Erster und zweiter Theil / D. Ludwig Benjamin Ouvrier gewesenen öffentlichen Lehrers der Gottesgelahrtheit und zwyten Superintendenten in Gießen
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Von der Nichtigkeit des Menſchen und der unver⸗ meidlichen Stunde ſeines Todes.

W 5 Die ſchnell eilen doch die Tage dahin! Der Abend bricht an, und nun iſt ein Tag unter meinen Haͤn⸗ den verſchwunden, als wenn mich nur ein Traum oder meine Einbildung geraͤuſcht haͤtte. So fliehen mehrere Tage, Wochen, Jahre dahin, als wenn ſie nichts als eine Reihe bloßer Gedanken geweſen waͤren. Der Tag, welcher mich beſchwerte, und mein Herz mit Sorgen, Verdruß und Unmuth erfuͤllte, deſſen Ende ich ſehnlich wuͤnſchte, wovon mir jeder Augen⸗ blick eine Laſt und eine Ewigkeit war, iſt mit jenem Tage meiner Freuden, wovon ich einen jeden Augen⸗ blick aufzuhalten und ihm Beſtaͤndigkeit zu geben wuͤnſchte, nicht mehr. Selbſt das Andenken jener Freuden und Leiden wird allmaͤhlig ſchwaͤcher, und jene oft ſtarken Eindruͤcke loͤſchen ſich nach und nach in meiner Seele mehr aus. Steter Wechſel, ſtete Beraͤnderung iſt der Inhalt meiner Tage. Das Neue wird alt, die Freuden ſterben bald nach, ja oft ſelhſt ſchon in ihrem Genuſſe: ſie ſelbſt rufen oft die Leiden herbei, aber auch dieſe gehen voruͤber, und der fol⸗ gende frohe Tag oder eine ſchoͤne Entwickelung der ungewiſſen und bedentüichen Vorfaͤlle heitert die gan⸗