22 Von den mancherley Abwegen von dem
und nun ſieht er ſich gaͤnzlich betrogen, und allzuweit von dem Ziele entfernt, auf welches doch allein ſein ganzes Augenmerk haͤtte gerichtet ſeyn ſollen!
Ein großer Theil der Menſchen lauft den Ver⸗
gnuͤgungen und Freuden des Lebens nach. Sein Zweck iſt ſeines Lebens zu genießen. Aber wie? Er wirft ſich jeder Sinnlichkeit in die Arme, und es iſt nicht viel anders, als wenn er ohne Geiſt, nur Koͤr⸗ per waͤre, nur thieriſche Triebe, nur Sinne haͤtte. Wohin ihn dieſe Triebe fuͤhren, dahin folgt er, und der Geiſt wird nun nichts mehr bey ihm, als nur der Erfinder und Befoͤrderer jeder Leidenſchaft, jeder Sinnlichkeit. Er denkt nach wie er ihnen ein Opfer nach dem andern bringe, wie er die Freuden des Le⸗ bens verfeinere, und neue Quellen und Mittel finde, ſeine Entwuͤrfe fuͤr die Ergoͤtzungen auszufuͤhren und zu erweitern. Der eine bringt ſeine Zeit, die edle und koſtbare Zeit im elenden und armſeligen Spiele dahin, der andere giebt ſie ewigen Zerſtreuungen in Geſellſchaften, in Goſtmaͤlern, in Taͤnzen, und kurz ein jeder folgt dem erſten Wink ſeines betrogenen Herzens. Ein ewiges Gerenne nach den Ergoͤtzun⸗ gen ſeiner Sinne, ja wohl ſogar nach den niedrigſten Wolluͤſten hat ſeine ganze Seele gefeſſelt, fuͤr dieſe
wacht und traͤumt er, fuͤr dieſe verzehrt er ſeine Kraͤfte
und Guͤter, fuͤr dieſe ſtreckt er ſeine Haͤnde nach frem⸗ dem Gute, fuͤr dieſe ſtuͤrzt er ſich in Schulden, und wird ein Dieb und Raͤuber anderer, fuͤr dieſe wird das Wohl ſeiner Familie, das Gluͤck der Welt, und ſein eignes Gewiſſen aufgeopfert. Aber nun endlich die Summe! das Leben iſt in dieſen Taͤndeleyen, in dieſem Taumel der Freuden, in dieſer Trunkenheit der Siune endlich dahin geſchwunden; die ernſtvolle Stunde des Todes bricht ein, die Freuden fliehen,
Ge⸗
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und alle Ergoͤtzungen der Sinne entfernen ſich; das


