16 Das jetzige Leben iſt blos Vorbereitung
mein Glaube laͤßt mich hier Blicke thun, die bey mir die herrlichſten und erfreulichſten Erwartungen rege machen. Was iſt Ewigkeit? Ich ſetze in meinen Gedanken Zeit auf Zeit, Zahlen zu Zahlen, und je weiter ich von dieſem Augenblicke fortrechne, deſto weiter entfernt ſich von mir das Ziel, das ich der Zuſammenhaͤufung ſetzen koͤnnte. Nach Millionen Jahren bin ich zwar erſtaunend weit von dem jetzigen Augenblick fortgeruͤckt, aber doch immer noch eben ſo weit von einem Ende. Ich ſehe nach Millionen Jah⸗ ren immer noch einen neuen Anfang. Was iſt doch nun dies Leben, wenn ich es mit der Ewigkeit ver⸗ gleiche! Was ſind achtzig Jahre, ein Alter, das ſo uͤberaus wenig Sterbliche erreichen, und das wir da⸗ her ſo hoch und groß nennen; was ſind die Jahre, denen die Menſchen in der erſten Zeit der Schoͤpfung ſo nahe kamen, gegen eine Ewigkeit gerechnet? Wie viel hat der Greis in dieſer Vergleichung vor dem Juͤngling und dem Kinde voraus! Ja! o Gott, unſer Leben iſt einer Handbreit vor dir! Hier fuͤhrt mich die Zeit mit ſich fort, und ich werde in dem Strome der Veraͤnderlichkeit mit hingeriſſen. Einige Jahre, und ich erlange die hier moͤgliche Reife mei⸗ ner Kraͤfte, und dann verzehren ſich allmaͤlig Mun⸗ terkeit und Staͤrke, und ich fuͤhle Hinfelligkeit, Be⸗ ſchwerlichkeiten des Alters und den herannahenden Tod: aber dort ſehe ich eine ſtete Jugend, oder ein immer maͤnnliches Alter; keine Zeit verzehrt meine Kraͤfte, ſondern ſezt neue hinzu, und wenn auch mein Leib wieder aus dem Staube hervorſteigt, ſo wird auch dieſer in einer ſteten Jugend oder ſteten Mannkraft fortbluͤhen. Hier ſehe ich meinen Tod voraus, und meine Natur fuͤhlt ein Schaudern bey dem lebhaften Gedanken, und noch mehr bey der An⸗
naͤherung deſſelben; aber dort ſehe ich nichts als Leben
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