12 Von der Unſterblichkeit des Geiſtes
an. Dieſe Belehrung, die mir die unendliche Guͤte meines Gottes giebt, dieſe Relizion Jeſu, deſſen Lehre mich ſo ganz auf die Ewigkeit hinweiſet, zeigt mir meine eigentliche und wahre Groͤße und Hoheit, die erhabne Waͤrde der Menſchheit, und giebt meinem Herzen eine ſo feſte und freudenvolle Ueberzengung, daß ich nicht fuͤr dieſe Welt allein gehoͤre, daß ſich nun alle Dunkelheit der menſchlichen Schickſale vor mir zerſtreut, daß ich in allen großen und kleinen Be⸗ gebenheiten der Welt, Weisheit, Guͤte und Ord⸗ nung und die Hand eines allmaͤchtigen, weiſen und hoͤchſt guͤrigen Gottes erblicke. Wichtiger, großer, erhebender Gedanke, ich werde ewig ſeyn, und ewig leben! ich bluͤhe hier auf, aber dort iſt meine Reife, ich fange hier an, aber dort vollende ich: ich bin nur hier ein Reiſender, und dort iſt meine Beſtim⸗ mung. Mein Werth uͤberſteigt die Vergaͤnglich⸗ keit dieſer Erde, und es waͤre zu niedrig und zu klein fuͤr mich, meine Wuͤnſche und Abſichten in den kurzen Zeitraum der fluͤchtigen Erdentage ein⸗ zuſchraͤnken, und ſie allein oder auch nur vornem⸗ lich auf dieſe Welt zu richten.
Sou mich Gott fuͤr Augenblicke? ABlos fuͤr 8dieſen Traum der Zeite Nur zu ihrem eitlen Gluͤcke,
Aber nicht zur Ewigkeit?
Jhoren ſagen: nur ein Hauch Sey dies Leben, ſchwinde auch Wie ein Stral in Nacht verſchwindet, Daß man ſeine Spur nicht findet.
Bin ich, wenn ich ſterben werde, Voͤllig der Verweſung Raub? Dieſer Leib wird freylich Erde,
Und nur eine Hand voll Staub:


