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Die Landesschule Pforta in ihrer geschichtlichen Entwickelung seit dem Anfange des XIX. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart : Einladungsschrift zur dritten Säcularfeier ihrer Stiftung den 21. Mai 1843 / von C. Kirchner
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wärtiger Freunde der Anstalt eingefunden hatten. Nach der Aufführung des Vaterunsers von Klop- stock in der Schwenkeschen Composition durch den hiesigen Sängerchor trug der Primus Porten- sis eine Einleitungsrede mit einem kurzen Lebensabriss von Klopstock vor. Hierauf traten nach einander 13 Primaner mit selbstverfassten Gedichten in Deutscher und Lateinischer Sprache auf, (eine der Lateinischen Oden, so wie ein auf Klopstock bezügliches episches Carmen sind in den Musae Portenses abgedruckt) demnächst betrat der Professor Koberstein das Katheder und hielt eine gehaltvolle, später im Druck erschienene Festredeüber die Verdienste, welche sich Klopstock um die vaterländische Poesie erworben hat. Der Gesang:Auferstehn, von Klopstock, componirt von Graun, vom Sängerchor aufgeführt, beschloss die erhebende Redefeier. Mittags wurden die Alumnen von Seiten der Anstalt festlich bewirthet. Auch die Lehrer und Be- amten der Anstalt vereinigte nebst einigen theilnehmenden Freunden ein heiteres Festmahl, wobei des Dichters Büste aufgestellt war, und dort wie hier wurden sinnige Sprüche dem unsterblichen Zögling der Pforte zu Ehren ausgebracht. Gewiss sind an diesem im Leben der Anstalt bedeu- tungsvollen Tage die Keime eines edeln und würdigen Strebens nach solchem Vorbilde in man- ches Zöglings Brust gepflanzt und geweckt worden. Auch der hohe Chef des Cultus, des Staats- ministers Freiherrn v. Altenstein Excellenz, äusserte auf erhaltenen Bericht in einem huldvol- len Schreiben Sein Wohlgefallen an dieser Feier, und ein Hochlöbl. Königl. Provinzial-Schulcol- legium hat von den poëtischen Leistungen der Primaner bei diesem Anlass mit besonderem Inter- esse nähere Kenntniss genommen.

Die Abhandlung zum Programm dieses Jahres schrieb der Adjunctus, jetzige Professor Fickert: Prolegomena in novam operum L. Annaei Senecae philosophi editionem.Ü Von diesem Jahre an erhielten die Programme der Landesschule eine wesentliche Bereicherung, indem auf Veranlassung einer Verordnung des K. Provinzial-Schulcollegii vom 7. Juni., dass die während des verflosse- nen Schuljahres in den drei obern Klassen aufgegebenen Themata zu freien Aufsätzen im Deut- schen und Lateinischen zur Circulation bei den Gymnasien der Provinz sollten eingesandt werden, der Ausweg getroffen ward, dieselben im Programme öffentlich abdrucken zu lassen; eine Maas- regel, die bishner nur das Domgymnasium zu Naumburg ebenfalls angenommen hat, von der aber sehr zu wünschen wäre, dass sie auf die sämmtlichen Programme der Monarchie ausgedehnt würde, da allen Lehrern ein reicher Stoff für die so schwierige Auswahl passender Themata zu freien Auf- sätzen dadurch öffentlich geboten wird.

Das folgende Jahr 1840 war ein ernst-bedeutendes und verhängnissvolles, sowohl im Allgemeinen für die gesammte Preussische Monarchie durch den eingetretenen Thronwechsel, als im Besondern auch für das Cultuswesen des Preussichen Staats durch den Verlust seines vieljährigen hochver- dienten Chefs, des Staatsministers Freiherrn v. Altenstein. Nachdem dieser verehrte Mann kurz zuvor, am 2. November 1839, in dem Geheimen Rath Nicolovius einen durch lan- gen Staatsdienst bewährten treuen Freund und Gehülfen durch den Tod verloren hatte, starb er selbst den 14. Mai dieses Jahres im 70. Jahre seines Alters, betrauert vom Vaterlande, welches ihm eine glänzende Periode seines Aufschwunges im gesammten Bildungs- und Unterrichtswesen verdankte und von Allen, die den biedern, trefflichen Mann näher gekannt, insbesondere von der Pforte, deren vieljähriger, treuer Gönner und Wohlthäter er stets gewesen war. Es ward ihm hier ein Eece veranstaltet, wobei Professor Koberstein die Gedächtnissrede hielt.

Ein erhebendes und patriotisches Fest war am 31. Mai die Säcularfeier der Thronbe- steigung Friedrichs des Grossen, welche in Pforta, wie in der ganzen Monarchie, fest- lich begangen wurde. Nachdem der Morgen des Tages mit Kanonenschüssen begrüsst war, ver-