Einleitung.
Das Ausserordentliche der Säcularfeier hiesiger Landesschule, welches das lebhafte Interesse der alten und jungen Pförtner von nah und fern, und die Theilnahme der Zeit- genossen selbst in weiteren Kreisen in Anspruch nimmt, hat den Unterzeichneten veranlasst, vor Mittheilung der gewöhnlichen Schulnachrichten, welche den jährlichen Programmen bei- gefügt zu werden pflegen, eine Uebersicht der Verfassung und Geschichte der Landesschule vom Anfange dieses Jahrhunderts bis auf die gegenwärtige Zeit zu liefern, welche grössten- theils aus den Schulacten selbst geschöpft und aus einer durch gefällige Mittheilungen, besonders von Seiten des hiesigen Rentamts, bereicherten Kenntniss des früheren und des jetzigen Zustandes hervorgegangen ist. Aus derselben wird sich ergeben, dass diese Anstalt während der letzten 40 Jahre unter der weisen und sorgsamen Obhut und Pflege huldvoller Herrscher und der von ihnen eingesetzten Behörden die bedeutendsten Fortschritte zu ihrer innern und äussern Entwickelung gethan und unter Festhaltung der wesentlichen Einrich- tungen, worauf ihre Wirksamkeit und ihr guter Ruf bisher begründet gewesen, die früher bestandenen Mängel mehr und mehr beseitigt hat, so dass das conservative Princip, welches in ihrer Verfassung liegt, mit dem der Zeitbewegung sich aufs Angemessenste vereinigt, um allen den Forderungen zu genügen, welche billigerweise an sie gemacht werden können.
Die Geschichte der Anstalt in dem benannten Zeitraume theilt sich in zwei Abschnitte, deren erster, von 1801— 1820, die unter Königl. Sächsischer Regierung bewirkte Regeneration und die Zeit der Collaboratur, der zweite von 1820 an bis auf jetzt die neue Königl. Preus- sische Organisation der Landesschule umfasst. Diese beiden Abschnitte sollen im Folgenden, nach einer vorangeschickten topographisch-statistischen Uebersicht der hiesigen Localität, wie der gegenwärtigen Verfassung und Einrichtung der Landesschule, in der Art dargestellt und erläutert werden, dass wir nicht sowohl eine Personalchronik als eine Geschichte der innern Entwickelung und der Schicksale der Anstalt nach ihren Hauptzügen zu liefern beabsichtigen.
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Erste Abtheilung.
Topographisch-statistische Uebersicht, Verfassung und Einrichtung der Landesschule. D Localität und Wohnungsverhältnisse.
Die ehemalige Cisterzienser-Abtei Pforta(Monasterium S. Mariae de Porta oder in Porta, Coenobium Portense in den Diplomen und Urkunden genannt) am hiesigen Ort gegründet um 1136 n. Chr., aufgehoben und sequestrirt vom Herzog Heinrich von Sachsen
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