Druckschrift 
Die Landesschule Pforta in ihrer geschichtlichen Entwickelung seit dem Anfange des XIX. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart : Einladungsschrift zur dritten Säcularfeier ihrer Stiftung den 21. Mai 1843 / von C. Kirchner
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen

2

1540, ward, mit Willen und Zustimmung der Stände, zur fürstlichen Landesschule(Fürsten- schule)*) mit Beibehaltung ihrer sämmtlichen Güter und Einkünfte umgewandelt vom Herzog, späterem Churfürsten Moritz, nebst ihren Schwesteranstalten zu Merseburg(später, s. 1550, Grimma) und Meissen, mittelst Patents vom 21. Mai 1543. Sie liegt an der grossen Heerstrasse von Erfurt nach Leipzig zwischen Kösen und Naumburg, von jenem Ort eine halbe Stunde, von diesem eine Stunde entfernt, mit der Front nach Westen gegen Kösen gewendet, in einem sehr anmuthigen und fruchtbaren Thale, das von zwei langen Hõöhenzügen eingeschlossen wird, wo- von der südliche, an dessen Fusse die Pforte liegt, früher der Klosterberg, jetzt Knaben- berg genannt, mit seinem waldigen Abhange sich gegen 400 Fuss über das Thal erhebt, der nördliche aber, an dessen Fusse die Saale fliesst, unter dem Namen der Saalberge an seinem Abhange mit Weinpflanzungen bedeckt ist. Die 10 bis 12 Fuss hohe, 2 ½ Fuss dicke Mauer, welche den ganzen Ort im Viereck umfasst, und aus der früheren Klosterzeit stammt, hat auf der Südseite am Walde 1577 Fuss Länge, auf der Nordseite 1128 Fuss, in der Front gegen Westen 1020, auf der Ostseite gegen Naumburg 995 Fuss und schliesst ein Areal von nahe an 73 Morgen in sich, das theils mit Gebäuden und Höfen, theils mit Gärten und Wald besetzt ist. Mitten durch den Ort fliesst von West nach Ost die kleine Saale, ein schon vor Gründung des Klosters im J. 1103 durch die Mönche zu St. Georgen in Naumburg (s. Lepsius historische Nachricht vom Augustinerkloster St. Moritz in Naumburg. 1835. S. 24.) von Kösen und der Saale abgeleiteter Mühlkanal, der hinter der Pforte die Wiesen vom Pfortenwalde scheidet und, nachdem er die Mühlen in Kösen, Pforta und Altenburg getrieben, hinter letzterem Orte wieder in die grosse Saale mündet. Er theilt die Pforte gewissermaassen in zwei Hälften, wovon die linke mit ihren meisten Gebäuden, ihren Höfen und Gärten mehr der Oekonomie, die rechte mehr der Schule und Kirche angehört. Der diesem Werke beigefügte Grundriss der Pforte, welchen wir dem Wesentlichen nach von Seiten der geometrischen Richtigkeit und Sorgfalt der Güte des Königl. Regierungsbauin- spectors, Herrn Schmid, verdanken, und der von einem geschickten Alumnus, Otto Schultze

*) Der Name Pforta ist ein ursprünglicher Eigenname, so gut wie Jena, Laucha, Kahla, Grimma, Nebra, Gera u. s. w., der nicht bloss in den ältesten Deutschen Diplomen, sondern auch in der Fundationsurkunde des Churfürsten Moritz von 1550 vorkommt(Fundation der Schulen Pforta, Privilegium, Stiftunge, Ordnunge und Bestätigunge der neuen Schulen im Kloster zu Pforta bei der Saale über der Stadt Naumburg in Thüringen gelegen) und in allen spätern Urkunden und Ver- ordnungen der Sächsischen Churfürsten beibehalten ist. Mit Recht wird also Pforta, nicht Pforte, geschrieben, wo der Ort und die Schule selbst bezeichnet wird. Daneben hat sich aber, des Wort- sinnes wegen, der Gattungsname: die Pforte(in Urkunden:der Abt zur Pforten, das Kloster zur Pforten, die Schule zur Pforten) frübzeitig gebildet, und wenn gleich daneben auchKloster und Abt zur Pforta in alten Briefen vorkommt, so begründet doch diese Gattungsbenennung die Be- rechtigung, mit Zufügung des Artikels, die Pforte zu schreiben, aber nicht Pforte, so wenig wie Jene, Grimme, Gere u. s. w. Diess zur Sicherung des Namens. Die Bezeichnung von Lan- des- oder Landschulen im Gegensatz der Lateinischen Stadtschulen(s. Schulordnung von 1773) erhielten diese drei Anstalten, sofern sie von dem Fürsten und den Ständen aus den eingezogenen Landesklöstern gestiftet, nicht einer einzelnen Stadt, Provinz oder Commune, sondern dem ganzen Lande angehörten, so dass fast sämmtliche Städte des Landes, so wie auch adelige Stifter und einige mit Lehnsansprüchen an die Klostergüter begabte Familien, ingleichen der Landesherr selbst für eine Anzahl Stellen, das Recht hatten, Knaben hieher zu senden, um an den Beneficien der drei Schulen Theil zu nehmen. Diese standen desshalb auch nicht unter irgend einem Magistrat oder einer Provin- zialbehörde, sondern unmittelbar unter der höchsten Landesbehörde; wesshalb sie auch, als zunächst unter dem Landesherren stehend, Fürstenschulen benannt wurden.

66

A1

h r

w FIS=S=