Druckschrift 
Die Landesschule Pforta in ihrer geschichtlichen Entwickelung seit dem Anfange des XIX. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart : Einladungsschrift zur dritten Säcularfeier ihrer Stiftung den 21. Mai 1843 / von C. Kirchner
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen

144

dazu sich meldenden Primanern und Extraneern, gegen eine jährliche Remuneration von 100 Tha- lern übertragen. Seitdem hat der Dr. Lieber durch Herausgabe lithographirter gymnastischer Ta- bellen die gymnastischen Uebungen noch mehr geregelt, über welche unterm 14. December 1841 der hohen vorgesetzten Behörde, auf Verfügung vom 21. October c., ein ausführlicher Bericht von uns abgestattet ist. Seit zwei Jahren sind auch im Winter, Mittwochs und Sonnabends Nachmit- tags, Voltigirübungen auf dem Schwungpferde mit einer Anzahl Oberer vom Dr. Lieber veran- staltet worden. Die Abhandlung zum Programme des Jahres 1837 schrieb der Professor Ja- cobi I.Commentatio geometrica de guadrangulis.

1838. Der gute Fortgang der Anstalt in allen ihren Theilen, ward in dieser Zeit unter den Segnungen des Friedens und Wohlstandes durch nichts getrübt oder aufgehalten, und aus diesem Jahre sind nur die angenehmen Ereignisse zu berichten, dass die Landesschule am 1. August durch einen Besuch des Königl. Oberpräsidenten der Provinz, gegenwärtigen Geheimen Staatsministers Grafen Stolberg Excellenz beehrt und erfreut wurde, welcher geruhte, die gesammte Localität der Anstalt, besonders den Neubau der Kirche, in Augenschein zu nehmen, sich mit den hiesi- gen Einrichtungen bekannt zu machen und das Personal der Lehrer und Beamten der Pforte sich vom Rector vorstellen zu lassen. Der Cötus der Alumnen brachte Sr. Excellenz mit einem Ge- sange im Schulgarten seine Huldigung dar. Kurz darauf ward der Anstalt die Freude, den an der Stelle des am 25. Mai vorigen Jahres im 76. Lebensjahre verstorbenen Consistorialraths Dr. Matthias seit Ostern c. als Königl. Provinzial-Schulrath in die vorgesetzte Behörde eingetretenen Herrn Professor Dr. Schaub vom 25. August bis 2. September in ihrer Mitte zu sehen, um mit der hiesigen Einrichtung und Verfassung in allen ihren Theilen sich näher bekannt zu machen und an der Stelle des eben verreisten Landraths Herrn Lepsius als Königlich. Commissarius bei der Abiturientenprüfung den Vorsitz zu übernehmen. Nachdem diese beendet war und Herr Provinzial-Schulrath durch Besuch aller Klassen und Durchsicht der Schülerarbeiten in den ver- schiedenen Lehrzweigen, so wie durch genauere Kenntnissnahme aller Localitäten und Einrich- tungen sich mit dem innern und äussern Zustande der Landesschule näher bekannt gemacht hatte, veranstaltete derselbe am 5. September eine Conferenz mit dem Lehrercollegium, worin verschie- dene wichtige Gegenstände der Lehre und Disciplin zur allgemeinen Befriedigung erörtert wurden. So knüpfte er, auch im persönlich freundlichem Verkehr, mit der Pforte eine für Alle erfreuliche Verbindung, welche späterhin durch mehrere Besuche des trefflichen Mannes in seinen amtlichen Verhältnissen zu hiesiger Anstalt, namentlich bei den Abiturientenprüfungen, unterhalten und be- festigt worden ist.

Am 18. October dieses Jahres wurde das 25 jährige Erinnerungsfest der Befreiung Deutschlands am Siegestage von Leipzig, wie im ganzen Lande, so auch in hiesiger Anstalt festlich begangen. Vormittags um 10 Uhr versammelten sich die Lehrer und Schüler im Betsaale, wo nach Absingung des Chorals:Eine feste Burg ist unser Gott ein Primaner die Feier durch einen von ihm gedichteten Prolog einleitete. Hierauf folgte die Festrede des Pro- fessors Koberstein, der aus eigener Anschauung die Zustände und Gefühle jener grossen Zeit der Befreiungskriege schilderte und daran Ermahnungen an die Schüler knüpfte, sich der damals für Preussen und Deutschland wiedererrungenen Segnungen stets würdig zu zeigen. Den Beschluss machten zwei von Primanern verfasste und vorgetragene Lateinische Oden(s. Musae Portensées) Zwischen den einzelnen Reden und Declamationen führte der Chor passende Gesangstücke aus.

Ein Te Deum beschloss das Ganze, worauf sämmtliche Lehrer und Beamte sich zu einem frohen Festmahle vereinigten. Auch die Alumnen hatten ein solches, und brachten den Nachmittag mit gymnastischen Uebungen hin, bis sie gegen Abend von ihren Lehrern auf die Höhe des Knaben-