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Die Landesschule Pforta in ihrer geschichtlichen Entwickelung seit dem Anfange des XIX. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart : Einladungsschrift zur dritten Säcularfeier ihrer Stiftung den 21. Mai 1843 / von C. Kirchner
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sind. Dazu kommen die täglichen Lesestunden der Obern mit den Untern, worin die letz- teren in der Lateinischen und Griechischen Grammatik, im Uebersetzen, in Exercitien und der Lateinischen Verskunst hauptsächlich geübt werden. Vorzüglich aber wird das klassi- sche Sprachstudium durch die Privatlectüre der Lateinischen und Griechischen Klassiker gefördert, wovon später. An das klassische Element schliesst sich die Deutsche Sprach- bildung, theoretisch und praktisch, mit mancherlei Uebungen an. Das andere wesentliche Bildungselement ist das mathematische, welches hier tief eingeht, und auch einen Theil der Privatstudien in Anspruch nimmt. Diese Elemente sind aber, wie allgemein anerkannt, vor allem geeignet, die jugendliche Kraft zu wecken, zu üben und zu jeder Art von freier Gei- stesthätigkeit geschickt zu machen. Hiezu trägt aber insbesondere die hiesige Studien- weise bei, welche hauptsächlich darauf abzielt, die Selbstthätigkeit der Sehüler in Anspruch zu nehmen, das Wissen zum sicheren Besitz und zur Fertigkeit des Gebrauchs in jeder Art der Darstellung sowohl in Prosa als Versen zu bringen. In keiner Schule wird vielleicht weniger docirt und mehr gearbeitet und corrigirt als in dieser. Die Zahl der ei- gentlichen Lectionstage wird durch die lectionsfreien Studientage, die Receptions- und Abi- turientenprüfungen und die grossen Prüfungen zu Ostern und Michaelis bedeutend geschmä- lert und beträgt nicht viel mehr als die Hälfte der sämmtlichen Jahrestage, Sonn-, Fest- und Ferientage mit eingerechnet; aber gerade an den lectionsfreien Tagen wird von den Alumnen am meisten gearbeitet, und ganz arbeitsfreie Tage sind das Jahr hindurch(die Sommerferien abgerechnet, wo sie verreist sind) nur die grossen Festtage. Es wird aber von Allen, theils für die Aufgaben in den öffentlichen Lectionen, theils in ihren Privatstu- dien, viel Schriftliches erarbeitet und producirt; namentlich sind die Kunstübungen in der Form sehr zahlreich und werden sorgfältig durchgesehen und corrigirt, so dass die Latei- nische Correctur in Prima mir, dem Rector, allein an 500 der besten Stunden das Jahr hin- durch hinwegnimmt, und so bei den übrigen Lehrern nach Verhältniss.

Diess sind die Hauptzüge zur Charakteristik des hiesigen Studienwesens, welches haupt- sächlich mittelst der klassischen Studien die Fertigkeit im Geistesgebrauch für alle Arten des Gelehrtenberufs zum Ziel hat. Diess war die ursprüngliche Bestimmung der Sächsi- schen Fürstenschulen, in den zwar anfänglich, im Geiste der Zeit, ein mit dem früheren Klosterwesen verwandter theologischer Charakter hauptsächlich hervortrat, der sich aber gleich von vorn herein mit einer tüchtigen Lectüre Griechischer und Römischer Klassiker verband. Und so ist es gekommen, dass aus der Pforte, selbst bei grosser Einfachheit des früheren Lehrplans und grosser Beschränktheit der Lehrmittel,(wie die frühere Schulge- schichte zeigen wird) vornehmlich durch die Trefflichkeit ihrer auf die Basis des klassischen Unterrichts begründeten Studienordnung, von der frühesten Zeit an ausgezeichnete Gelehrte in den verschiedensten Berufsfächern, Theologen, Philologen, Aerzte, Naturforscher, Juristen, Staatsmänner, Philosophen, Mathematiker, Astronomen, tüchtige Geschäftsmänner, berühmte Dichter, besonders aber viele wackere und gelehrte Schulmänner hervorgegangen sind.

Die Gesuche um Alumnatstellen werden bei den resp. Behörden drei Monate vor Ostern oder Michaelis eingereicht und müssen von einem Geburts- und Taufscheine, einem Gesundheitsattest, einem Scheine über die in den beiden letzten Jahren vollzogene Vaccination oder Revaccination, endlich von einem Schul- oder, nach Umständen, Privat- zeugniss über sittliche Führung, Fleiss und Kenntnisse der Recipienden begleitet sein. Ein Gesuch bei der vorgesetzten Königl. Behörde um eine Freistelle erfordert auch eine obrig- keitliche Bescheinigung der Bedürftigkeit des Bittstellers. Die bevorstehende oder erfolgte

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