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Die Landesschule Pforta in ihrer geschichtlichen Entwickelung seit dem Anfange des XIX. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart : Einladungsschrift zur dritten Säcularfeier ihrer Stiftung den 21. Mai 1843 / von C. Kirchner
Entstehung
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Wir kommen nun zu den oberen Räumen des Schulhauses. In der Fronte und in dem ganzen vordern vom Churfürsten August erbauten Theile desselben befindet sich über dem Betsaale, dem Auditorium von Ober-Secunda und den daran stossenden Holzställen bis zur Prima, ein erstes Stockwerk, in welchem vorn das chemalige Rectorat, seit 1831 die Woh- nung des dritten Professors(Jacobi I.) ist. An diese gränzt bis zur Prima das ehemalige Cantorat, jetzt die Wohnung des sechsten Professors(Dr. Steinhart). Ueber diesem ersten Stock, über Prima, und das Cönakel hinweg, befinden sich nun im zweiten Stock die sämmt- lichen zwölf Schülerstuben nebst der Inspectionstube und den Wohnungen der Aufwärter in zwei Reihen Zimmern, die durch einen 8 Fuss breiten gedielten Corridor getrennt sind, der sich von einem Ende des Schulhauses zum andern in der Länge von 285 Fuss erstreckt und durch mehrere Lichtfluren, so wie durch Fenster über den Thüren der Schülerstuben zu beiden Seiten erhellt ist. In der Mitte des Corridors, über der Prima, ist die Inspections- stube nebst Kammer, welche der die Wocheninspection führende Lehrer bewohnt, und so- wohl von früh bis Abends in allen Zeiten, wo die Alumnen oben sind, als auch Nachts sich hier aufhält.

Die Inspectionsstube theilt den Corridor in den obern und untern; auf jenem sind 6 Schülerstuben, 4 nach vorn, von nr.IV, 2 nach hinten, er. V und 71, nebst zwei Auf- wärterstuben; auf diesem ebenfalls 6 Schülerstuben, 4 nach vorn, nr. III, IIII, XI und XII, 2 nach hinten, nr. II und X, nebst zwei Aufwärterstuben. Die Schülerstuben sind,(wie der Grundriss des Corridors auf der Karte zeigt) von gleicher Breite, aber verschiedener Länge, je zu drei, vier oder fünf Tischen. Hienach richtet sich die Zahl der Bewohner, welche insgesammt in drei Altersstufen getheilt sind, Obere,(nur Primaner und einige Ober- Secundaner), welche einen Tisch haben, deren im Ganzen 48 sind; Mittlere(die übrigen Ober-Secundaner und die Unter-Secundaner) und Untere(die Ober- und Unter-Tertianer). An jedem Tische ist ein Oberer, ein Mittlerer und in der Regel ein oder zwei Untere, welche als Untergesellen dem Obern als ihrem Obergesellen, zur sittlichen und wis- senschaftlichen Beaufsichtigung übergeben sind und von ihm täglich(ausser an den Sonn-, Fest- und Studientagen) in der sogenannten Lesestunde, von 45 Nachmittags, zur gram- moischen Fertigkeit in den alten Sprachen, im Uebersetzen, im Lateinischen Stil und in der Lateinischen Verskunst angeleitet werden.

Das Mobiliar der Stuben besteht aus einfachen hölzernen Tischen und Stühlen und aus Bücherrepositorien an den Wänden. Die Tischobern haben Sitzpulte, die Mittlern Stehpulte, die Untern Pultkasten, welche Privateigenthum der Einzelnen sind; alles Uebrige gewährt die Anstalt. Zu jedem Tische gehört ein mit 2 Schlössern versehener Kleiderschrank, wel-

cher auf dem Corridor steht, zu welchem der Obere die Schlüssel verwahrt und jeden Sonn- abend Mittag kurz vor Tische in Gegenwart aller Inhaber eine Revision hält. In alle Klei- dungsstücke und alles Schuhwerk muss der Name des Besitzers eingeschrieben sein. Zur Erhaltung der Reinlichkeit ist in jeder Stube ein sogenannter Putzschrank, worin Schuhwerk, Leuchter u. dgl. verwahrt werden, ein Putzkorb mit Deckel, um die Abwürfe von Papier, Federn, Obst u. dgl. hinein zu thun und ein verdecktes Gefäss zum Beseitigen unnützer Flüssigkeiten. Das Einheizen besorgen vom Corridor aus die Aufwärter; zu dem Behuf steht bei jedem Camin ein verschlossener Holzkasten. Zum Behuf der Erleuchtung werden jeden Sonnabend für die einzelnen Stuben eine genügende Quantität Talglichter vom Schul- hausinspector an die Aufwärter ausgegeben, welche sie an die Tischobern vertheilen, so dass für jeden Tisch, der vier Inhaber hat, 2 Lichter bestimmt sind. Das Anzünden der Lichter