10o Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen GOtt.
Apber woher kam Jhro das alles? Sie hatte gelernet Ihre Wege GStt befehlen und auf ihn hoffen, und darum ward er ihres Lebens För⸗ derer, in der Finſterniß Ihr Licht, in der Einſamkeit Ihr Geſelle, und al⸗ lenthalben ihres Hertzens Troſt und Ihr Theil. Der Glaube, welcher zu⸗ vor, nach dem Vorgang der Heiligen, gewohnet hatte in ihrer Groß⸗Mut⸗ ter, und auch in ihrer Mutter, wohnete gewiß auch in Ihr, als von welchen Sie von Kind auf zum Wort vom Glauben, in der H. Schrifft verfaſſet, an⸗ gewieſen: Dahero bezeugte Sie ſich, nach allgemeiner Kaͤntniß, und zu vieler Erbauung in der Andacht Ihres Hertzens bey dem offentlichen Got⸗ tesdienſt, als eine gottſeelige Maria, die ſich zu den Fuͤſſen IEſu in dem Tem⸗ 7 pel ſetzte, und ſeiner Rede zuhoͤrete; In Ihrem wohleingerichteten Hauß⸗ 1 Gottesdienſt als eine andaͤchtige Judith, die betete in ihrem Kaͤmmerlein; In
ihrem Wandel als eine erbare Ruth, von der die gantze Stadt unſers Volcks weiß, daß Sie ein tugendſame Frau iſt; In ihrem Eheſtand als eine Toch⸗ ter Sarah, die ihrem Mann gehorſam war, und hieß ihn Herr; In Ihrer 3 Gutthaͤtigkeit als eine freygebige Tabea, die war voll guter Wercke und All⸗ 3 moſen, die Sie thaͤt, wie Sie dann noch am letzten Lebens⸗Tag die Um⸗ ſchreibung ihres Armen⸗Regiſters ernſtlich befohlen; In Ihrer Arbeitſam⸗ keit als eine ſorgfältige Marcha, welche Ihr, aber zur rechter Zeit, viel * Sorge und Muͤhe machte, und uͤberhaupt war Sie geſchmuͤcket als eine der heiligen Weiber, mit ſanfften und ſtillem Geiſte, die ihre Hoffnung auf Gtt geſetzet. 1
Wie ſolte nun nicht das Hertz ihres theureſten Herrn Gemahls auf das empfindlichſte betruͤbet ſeyn, daß Ihme ſo ploͤtzlich ein ſo groſſer Troſt, eine ſo ſorgfältige Vorſteherin Seines Hauſes, auf die ſich ſein Hertz verlaſ⸗ 1 ſen konte, eine ſo liebreiche Pflegerin, und eine ſo auserleſene Gemahlin entriſſen worden? Wie ſolte nicht zur Erden gebeuget gehen Ihre edelſte 1 und ſo innig geliebte Frau Scchweſter/ welcher der beſchwerliche Witwen⸗ Stand durch den vertraulichen Umgang, Zuſpruch und Rath der Hoch⸗ ſeeligen Frauen mercklich erleichtert worden? Wie ſolte nicht in der u 1 tiefſten


