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Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen häufig herrschende Seuche und deren sicherstes Heilmittel / von G. A. Weber
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welche die Lebenskraft nicht im Stande iſt zu bekaͤmpfen, wo ohne Unterſtuͤtzung der Reaction unausbleiblich Laͤhmung der⸗ ſelben erfolgt, d. i. Tod. Dieſer unverhaͤltnißmaͤßige Kampf der Lebenskraft und deren Reaction mit der maͤchtigern krank⸗ machenden Potenz kann zweifacher Art ſein. Letztere wirkt ent⸗ weder ſo maͤchtig auf ein Organ ein, daß nur die hoͤchſte An⸗ ſtrengung der Reaction im Stande ſein kanndas maͤchtigere feindliche Agens zu uͤberwaͤltigen, dann kann die Lebenskraft, in ihrer aͤußerſten Anſtrengung, den Kampf um Leben oder Tod nicht lange aushalten, ſie muß nach kurzer Zeit unter⸗ liegen; oder die feindliche Potenz wirkt ſo eingreifend auf ein Organ, daß die Lebenskraft zu gar keiner Reaction gelangen kann, dann wird die Lebenskraft augenblicklich paralyſirt. Die Paralyſe kann entweder vollkommen oder unvollkommen ſein. Im erſteren Falle iſt wirklicher Tod die Folge und jede Huͤlfe ſcheitert. Im zweiten Falle wird die Reaction nur an ihrer Wirkungsſphaͤre auf laͤngere oder kuͤrzere Zeit gehemmt und kann bei zweckmaͤßiger Auswahl der jedesmal paſſenden Mit⸗ tel und deren Anwendung wieder in Thaͤtigkeit geſetzt werden, oder die Reaction kommt ohne unſere Huͤlfe wieder in Thaͤtig⸗ keit, wenn der feindliche Reiz nur voruͤbergehend auf dieſelbe laͤhmend einwirkte. Dies ereignet ſich oft, wenn Schreck, zu große Freude, Angſt, Schaam und dergleichen Gemuͤthsaffecte lange andauernde Ohnmachten, Scheintod, Kraͤmpfe u. ſ. w. erzeugten. 1s. 3

Wenden wir dieſe vorausgeſchickten pathologiſchen Grund⸗ ſaͤtze auf unſern Gegenſtand an, ſo lehrt uns die Erfahrung:

1) Das Milzbrandgift als krankmachende Potenz iſt maͤch⸗ tiger als die Lebenskraft, denn ohne Ausnahme unterliegt dieſelbe ohne Unterſtuͤtzung entweder augenblicklich oder in kur⸗

er Zeit. 14 Bei Das Milzbrandgift wirkt oft auf ein einzelnes Organ, vorzuͤglich auf die Milz, alle ſeine Kraft concentrirend, ſo hef⸗ tig ein, daß die Reaction zu keiner Thaͤtigkeit gelangen kann, ſondern ſogleich total gelaͤhmt wird. Es tritt dann ſchnelle Zerſtoͤrung des ergriffenen Organs ein. In dieſen Faͤllen ſehen wir die Thiere ohne Reaction, oder ohne ein Krankheitszeichen wahrzunehmen, ploͤtzlich todt niederfallen.

3) Das Milzbrandgift uͤbt zwar auf ein Organ vorzuͤg⸗ lich ſeine Gewalt aus, allein die Reaction, die in einem Or⸗ ganismus ſtaͤrker iſt, als in dem andern, vermag dennoch ſo viel, um dem Feinde zu opponiren, jedoch bedarf es der hoͤch⸗ ſten Anſtrengung, um dieſen Verſuch zu unternehmen, und in dieſer hoͤchſten Anſtrengung vermag die Reaction nicht lange