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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
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Leich Predigt. 39

Man hat genug zu thun die ein'ge Seel zu retten/ Wer noch viel anders hat/ wie kan Er das vertretten/ Je groͤſſer Amt und Gut und Pfund und Gaben ſeyn/ Je groſſer Rechenſchafft bild man ſich kecklich ein. Die gante erſte Welt mußt jaͤmmerlich vergehen/ Acht Seelen ſind allein fuͤr GOtt gerecht erſehen.

Nicht zeh'n Gerechte ſind in Sodoms Nachbarſchafft/

Des Saamen vierdter Theil geht nur in Frucht und Krafft. Es ſind nur etliche in Canaan gegangen/

Auch aus den Zwoͤlffen ſelbſt iſt Judas aufgehangen.

Der Zehnde danckte nur/ daß Er vom Auſſatz rein/

Ach moͤchten fünff doch klug/ und fuͤnff nur thoͤricht ſeyn! Des Richters Zukunfft wird gleich einem Blitz geſchehen/ Was unrein und gemein/ darff nicht in Himmel gehen;

Es fuͤhlt die letzte Plag Egyptens erſtes Kind/

Es wird kein Hauß nicht ſeyn/ da nicht Verdammte ſind.

HErꝛ GHOtt! ſo dieſes ich nach aller Laͤng bedencke

So ſchneidet Angſt und Furcht durch Adern und Gelencke/ So ſchauret mir die Haut/ ſo gellt und klingt das Ohr/ So bebet Mund und Hertz und hebet ſich empor.

Daher iſt es von einem ſolchen/ welcher des Hertzens Traͤg⸗ und Sicher⸗ heit/ der Suͤnden Verderblichkeit/ der Aerger⸗ und Hindernuͤſſen Vielheit/ der Heiligung Nothwendigkeit/ der Auserwaͤhlten We⸗

nigkeit/ der Gnaden kurtze Zeit und die unendliche Ewigkeit ernſtlich und reifflich überleget/ ſo fern/ daß Er nur dieſes vor ſeinen Lauff achten ſolle/ von Mut⸗ terLeib wieder dahin/ Syr. XL. oder von einer leiblichen Arbeit in die andere gehen; wie dann ein jeder ſein abgemeſſenes Ziel hat. Job. XIV, 5. ebenſo wenig/ als daß Er wie ein Eſel durch Schlaͤge ſich immer treiben laſſe. Cohel. 6. oder daß Er die erſte Bu⸗ ſe fur das gantze Werck der Gottſeeligkeit/ ein und andere Ablegung der groben Suͤnden fuͤr voͤllige Reinigung/ die angefangene Verlaͤugnung fuͤr voͤlliges Ab⸗ ſterben/ ein paar Schritt in der Nachfolge Chriſti/ fuͤr voͤllige Gleichfoͤrmigkeit/ einige gute Werck fuͤr vollkommene Heiligung/ und dardurch das wichtige Ge⸗ ſchaͤfft des wahren Chriſtenthums fuͤr gaͤntzlich ausgerichtet halten ſollte; daß Er vielmehr Mißfallen an ſich ſelber hat/ beſorgt Er moͤchte gar dahinden bleiben/ ſie⸗ het das Ziel noch ferne/ fuͤrchtet Er habe zu ſpat angefangen/ beklaget das ſtrauch⸗ len/ ſtillſtehen/ zuruck ſehen/ ermundert immer wider die laͤſſige Haͤnde und müde Knie/ und wird doch durch das Exempel ſo vieler tapffern Vorgaͤnger die Er ſchon ſiehet durch die enge Pforte zur Ruhe eingehen/ angefriſchet/ mit neuem Ernſt zu lauffen/ und Stuffen weiß naͤber zu kommen; und wenn Er ſo viel ſiehet wandlen als Feinde des Creutzes Chriſti/ ſo viel niedergeſchlagene/ erlegene/ aufgehaltene/ ſich umſehende auf dem Weeg erblicket/ fuͤhret Er ſeinen Wandel/ alldieweil Er wallet/ mit Furchten ſich weniger aufhalten zu laſſen; ſondern betruͤbet ſich/ daß man ſo bald wieder verlieren koͤnne/ was man erarbeitet habe/ daß einem ſo leicht das Ziel koͤnne

verruckt werden/ und mancher immer im Circkel herum lauffe/ wie Ikaclin da