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XXX Zinzendorf früh den lebhaften Trieb empfand, von ſeinem Heiland in der Heimat wie in der Heidenwelt Zeugnis abzu— legen, und wie dann ſeine Brüder und Schweſtern mit einem ſeit älteſten Zeiten nicht mehr geſehenen Heldenmut, mit einem ſieghaften Feuer der Begeiſterung auszogen. Dieſe Kriegs⸗ und
Siegeszüge begleitet nun Zinzendorf— der übrigens auch ſelbſt auszog— mit ſeinen Heldenliedern, und es iſt ſchwer zu ſagen,
wo die urſprünglichere Friſche und Kraft liegt, ob in jenen Gemeindegeſängen, oder in dieſen Streiterliedern, die ſich übrigens oft verſchmelzen gemäß dem Charakter der Gemeinde Herrnhuts als einer Miſſionsgemeinde. Wir möchten die letzteren für die originalſten Schöpfungen der Zinzendorfiſchen Dichtkunſt halten; ſie atmen auch oft eine beſonders reine lyriſche Stimmung. Groß iſt jederzeit die Empfindung, mag der Graf einen„Streiter“ ausſenden, ermuntern, ſeine Thaten beſingen, ſeinen frühen Tod beklagen, oder dem„in ſeinem Panzer ehrſam graugewordenen“ in die Himmelsglorie nachſchauen. Und doch fehlt dieſen Liedern niemals die echt menſchliche Empfindung. So ſpartaniſch die Geſinnung, ſo chevaleresk oft die Stimmung, die Saite des fühlenden Herzens klingt doch immer leiſe mit. Es iſt in dieſen Liedern ſo ganz beſonders keine Spur des Phraſenhaften. Es ſind keine frommen Tiraden, am Schreibtiſch ausgedacht; es iſt vielmehr die echte Poeſie, wie ſie dem Gedräng mannhaften Kampfes entſtrömt:„Schöner iſt nichts als beſtäubte Streiter.“
War Zinzendorf auch nicht eigentlich ein Dichter von Beruf — ſeine aktive Natur wies ihn in ganz andere Lebensaufgaben, ſtellte ihn auf die Bahn des Kampfes und der Eroberung im Reiche Gottes— ſo war er doch ein durch und durch poetiſch angelegtes Gemüt, das alle Lebenserſcheinungen unter poetiſchem Geſichtspunkt ſah. Nur für die Natur war ſein Sinn auffallend wenig entwickelt. Er hatte aber auch eine durchaus eigentümliche poetiſche Geſtaltungskraft. Denn während ſeine Gedichte anfangs durchaus in dem ſchwülſtigen Geſchmack ſeiner Zeit gehalten ſind, ringt er ſich im 3. Jahrzehnt ſeines Lebens davon los und be⸗ ginnt ſeine eigene Sprache zu ſprechen, die voll Originalität und Kraft iſt. In dieſer Zeit, etwa bis 1740, hält er ſich auch frei von dem Unfug der Fremdwörter, der ſpäter freilich wieder in ungebührlicher Weiſe eindringt, und entfaltet eine ganz eigen⸗
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