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Geistliche Gedichte des Grafen von Zinzendorf : eine Auswahl zur Erinnerung an den Tag seiner Geburt vor zweihundert Jahren / herausgegeben von H. Bauer und G. Burkhardt
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Dirvlaus Tudwig Graf von Zinzendork.

Ein Lebensbild.

Der Graf Nicolaus Ludwig von Zinzendorf gehört ſeinem Auftreten und ſeiner Denkungsart nach ganz dem geiſtigen Leben der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts an. Aus dieſem Boden iſt er hervorgewachſen. Weiter gehört er durch Geburt und Stand der Ariſtokratie, ſpeziell der ſächſiſchen Ariſtokratie ſeiner Zeit an. Er iſt zwar durchaus andere Wege gegangen als die meiſten ſeiner damaligen Standesgenoſſen, er hat ſich dadurch in einen offenen Gegenſatz zu letzteren geſtellt und iſt von ihnen gewaltig angefeindet worden. Dennoch war er in ſeinem ganzen Auftreten, in ſeinen Anſchauungen, in ſeiner Art zu denken und zu reden durch und durch Ariſtokrat. Dieſe beiden Wurzeln ſeines Daſeins, das geiſtige Leben in Deutſchland während der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts und die Ariſto kratie ſeines engeren Vaterlands, werden wir uns gegenwärtig halten müſſen, wenn wir den Mann verſtehen und richtig be urteilen wollen. Freilich iſt er wie alle hervorragenden Menſchen ſeinem innerſten geiſtigen Weſen nach etwas durchaus Eigen tümliches und Eigenartiges, ja bis auf einen gewiſſen Grad darf man ſagen Einzigartiges, weit hinausragend über ſeine Umgebung. Aber jene beiden genannten natürlichen Grundlagen ſeines Daſeins drücken dem individuellen Geiſtesleben doch immer ihr beſtimmtes Gepräge auf und wollen daher bei Beurteilung und Verſtändnis ſehr ernſt genommen ſein.

Zinzendorfs Vater, Georg Ludwig Graf von Zinzendorf, war kurſächſiſcher Miniſter unter Kurfürſt Friedrich Auguſt dem Starken. Er trat 1699 zum zweiten Mal in die Ehe und zwar mit Charlotte Juſtine, Freiin von Gersdorf, einer Tochter des Freiherrn Nicolaus von Gersdorf, der damals Landvogt der Oberlauſitz war. Dieſer Ehe entſtammte Graf Zinzendorf. Er