XVI wurde zu Dresden geboren am 26. Mai 1700. In beiden zin Familien, der des Vaters in Dresden und der der Mutter in Groß 1 hennersdorf in der Oberlauſitz, ſtand das religiöſe Leben unter ſe Tll dem ſtarken Einfluß Speners, der von 1686 bis 1691 Ober⸗ 1 hofprediger in Dresden geweſen war. In dieſem Geiſt wurde auch der junge Graf Zinzendorf erzogen. Daß er von früheſter Kindheit an die geiſtige Luft des Speneriſchen Pietismus geatmet Jin hat, iſt in ſeinem ganzen Leben erkennbar. Aber nicht gewaltſam„ iſt ihm dieſe Anſchauung aufgedrängt worden. Er hat ſie, ſelbſt 8 zur geiſtigen Reife gelangt, mit vollem Bewußtſein und mit klarer Überzeugung ergriffen und mit großartiger Energie zu der ſeinigen gemacht.
Nicht in der Familie des Vaters indes und nicht in der Reſidenz mit ihrer Zerſtreuung und ihrem gleißenden Schimmer ſollte die Erziehung des Knaben vor ſich gehen. Der Vater ſtarb ſchon 6 Wochen nach der Geburt des Sohnes, und die Mutter zog mit dem Kinde nach Großhennersdorf zu ihren Eltern.
Aber auch hier veränderte ſich bald der Schauplatz. Im Jahre 1702 ſtarb der Großvater mütterlicherſeits, und im Jahre 1704 ver⸗ heiratete ſich die Mutter mit dem preußiſchen Feldmarſchall von 1 Natzmer in Berlin. So waltete die erziehende Hand der Groß⸗ mutter über dem Knaben gerade in den Jahren, die für die Charakterentwickelung von einflußreicher Bedeutung ſind. Sie war eine äußerſt energiſche Frau. Dennoch war es dem Knaben anzumerken, als er 10 Jahre alt in das öffentliche Schulleben trat, daß bis dahin Frauenhände, die der Großmutter und die einer Tante, ſeine Erziehung geleitet hatten. Die Schulbildung zwar empfing er von einem Hofmeiſter, aber deſſen perſönlicher Einfluß war wenig ſpürbar. So war er denn ein wenig ver⸗ zärtelt, eigenwillig, von Standeshochmut erfüllt, daneben phanta—
ſiereich und nicht immer ganz wahrhaftig, als er unter die Mit— aune elne ſchüler und unter die Zucht eines Erziehungsinſtituts kam. fen duf Zinzendorf ſelbſt erzählt von einer außerordentlich frühreifen religiöſen Entwickelung, die er während ſeiner Kindheit in Hennersdorf durchgemacht habe. Ohne Zweifel war eine ſolche vorhanden; die ſpäteren Jahre mit ihrer ernſten, tiefgreifenden Frömmigkeit weiſen unwiderleglich darauf zurück, denn von einem plötzlichen Umſchwung, von einem Erwachen mit radikaler Um—


