XXVIII doch ein ganz beſtimmter Platz in ihren Reihen, inſofern er den geiſtlichen Liederſchatz der evangeliſchen Kirche erweitert und durch neue Formen bereichert hat. Als ihm eigentümlich dürfen wir namentlich ſeine Jeſus⸗ oder Heilandslieder, die Ge meinde⸗ und die Zeugen⸗ oder Streiterlieder nennen.
In den Jeſusliedern folgt der Graf ja durchaus der Myſtik von älteſter Zeit her, wie er ja auch Bernhards„Jesu dulcis me- moria“ überſetzt hat. Eigentümlich iſt ihm immerhin die be ſonders lebendige Vergegenwärtigung und Veranſchaulichung des Lebens, Leidens und Sterbens Jeſu. Daß gerade hierbei freilich auch die ſchlimmſten Ausartungen vorkommen, ſoll willig zu geſtanden ſein. Nur bleiben auch andere, wenn ſie ſich in das menſchliche Leben Jeſu verſenken, nicht ganz frei davon. Man vergleiche bei Paul Gerhardt die Strophe:„Ich umfange, herz' und küſſe deine Wunden ohne Zahl und die purpurroten Flüſſe deiner Seit und Nägelmal.“
Auf der anderen Seite iſt doch klar, daß gerade durch eine ſolche lebendige Veranſchaulichung das Leben Jeſu nicht nur an praktiſch religiöſem und ſittlichem Wert gewinnt, an„Verdienſt lichkeit“, nicht im katholiſchen ſondern im evangeliſchen Sinn: es ergeben ſich auch ungemein zarte lyriſche Stimmungen, denen ähnlich, wie ſie Seb. Bach z. B. im Schluß der Matthäus paſſion und anderwärts zum Ausdruck bringt. Neben der Behandlung Jeſu als menſchlicher Perſönlichkeit bis ins einzelne ſchwingt ſich nun die kühne Phantaſie Zinzendorfs mit Vorliebe
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hinauf zu den Höhen der göttlichen Herrlichkeit des Sohnes vor
und nach ſeiner Menſchwerdung, und in der Schilderung der
Huldigung des Himmels vor dem Sohne findet er Farben und Töne wie kaum einer vor ihm und nach ihm, wobei freilich die Vorliebe der Zeit für feierlich prachtvolle Darſtellungen fürſt licher Größe ſichtlich mitwirkt. Ganz beſonders gern ſtellt nun aber Zinzendorf beides zu einander in Kontraſt. Daß der Schöpfer der Heiland ſei, daß der, der das Weltall aufgerichtet hat, den Leuten in Nazareth Häuſer baut u. a. mehr, das ſind die Gegenſätze, mit denen er wir wollen es ja nicht leugnen
oöft bis zur Geſchmackloſigkeit ſpielt, denen er aber zuweilen doch
auch echt poetiſche Wendungen entlockt. Und ſein„Jeſus⸗Jehovah“
bringt das Geheimnis auf poetiſchem Wege jedenfalls näher,
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om Gem. S


