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Geistliche Gedichte des Grafen von Zinzendorf : eine Auswahl zur Erinnerung an den Tag seiner Geburt vor zweihundert Jahren / herausgegeben von H. Bauer und G. Burkhardt
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zu gehen und ſeine Gedanken und Anſchauungen am Worte Gottes zu klären. So heilſam und notwendig das für jeden Menſchen iſt, für Zinzendorf barg es zu einer gewiſſen Zeit ſeines Lebens Gefahren in ſich. Er geriet in wunderliche Speku

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lationen über die Trinität, die er ſich als menſchliche Familie ausmalte. Damit hing weiter zuſammen ein unheiliges Spielen mit der Perſon Chriſti, namentlich mit dem Leichnam und ſeinen Wunden. Es war nicht entfernt ein Abirren vom Grund des Glaubens, im Gegenteil, er wollte ſich den Gegenſtand des Glaubens recht menſchlich nahe bringen. Ebenſo war es nicht im mindeſten ein Hinabgleiten in ſittliche Laxheit der Lebens

führung. Er war wohl kaum zu irgend einer Zeit ſeines Lebens ſtrenger und asketiſcher als gerade damals. Aber es war eine Verirrung, die, wenn nicht rechtzeitig erkannt, Glauben und Leben hätte gefährden können. Einmal entfernte er ſich dadurch von den Kreiſen, die er früher geweckt und angeregt hatte, und

verdarb ſich ſeine Wirkſamkeit. Dan

Dann aber auf ſeine von ihm abhängige Gemeine. Denn jeder Schritt von

der zarten Innigkeit ſeiner eigenen Empfindung hinweg in die bloße Nachahmung vergröberte Anſchauung und Ausdruck und vergrößerte die Gefahr. Und als er das ſah, erkannte er klar ſeine eigene Verirrung. Er lenkte zurück auf den geſunden Weg nüchternen Glaubens, und ſeine Gemeine, in der übrigens noch nirgends thatſächlicher Schade angerichtet worden war, folgte ihm. Wie alles in ſeinem religiöſen Leben, ſo ging auch dieſe Buße tief und war nachhaltig. Die Jahre der Verirrung liegen zwiſchen 1745 und 1750.

Aber ein gewiſſes ſtilles Zurücktreten, eine ſchweigende Ein kehr in ſich ſelbſt iſt ihm ſeitdem geblieben. Schon früher nahmen wir gelegentlich bei allem thätigen Eingreifen nach außen eine ſtille, tiefgehende Bewegung ſeines Inneren wahr. Er redet da in der Stille mit ſeinem Heiland und legt ihm die Bußgedanken ſeines Herzens rückhaltlos vor. Aber er findet auch ſtets mit der Begnadigung neue Kraft der Liebe. Zeugnis davon geben viele ſeiner innigen, tief empfundenen Lieder. Im letzten Jahr zehnt ſeines Lebens werden dieſe Regungen des Innenlebens ſtärker und geben auch ſeinem äußeren Auftreten ein beſtimmte Gepräge. Er wird milder, ſanfter, liebevoller im Verkehr, wenn

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Adele G