VII Zinzendorfs Gedichte nicht hie und da zerſtreut und in den Geſangbüchern der Brüdergemeine verſteckt, ſondern Albert Knapp hat ſie im Jahre 1845 geſammelt und geſichtet heraus⸗ gegeben(Stuttgart, J. G. Cotta), ſo daß ſie jedermann zugäng⸗ lich waren. Man wird daher die Behauptung aufſtellen dürfen:
1 Norfprug C.:— 3....... u Verirrung Eine gewiſſe Ungerechtigkeit gegen Zinzendorf liegt in der Be⸗ it einem ge⸗ urteilung, die ſeinen Gedichten in der Offentlichkeit und nament⸗
lich in der Wiſſenſchaft von deutſcher Litteratur zu teilge⸗ worden iſt.
Dem gegenüber nun iſt es unſer Beſtreben, in der vor⸗ liegenden Jubelausgabe von Zinzendorfs Gedichten zu zeigen, was wir ihm als einem Dichter geiſtlicher Lieder in Wahrheit zu danken haben, was er ſeinen Zeitgenoſſen geweſen iſt, und was er heute uns ſein kann, wenn wir ihn unbefangen würdigen. Wir wollen zeigen, daß er den beſten Kirchenliederdichtern des Pietismus wahrlich nicht nachſteht. Zu dem Zweck haben wir aus der großen Zahl ſeiner Gedichte eine Auswahl getroffen. In dieſer Auswahl haben die Leſer unſres Erachtens den Kern ſeiner Dichtung. Wir wollen nicht eine Probe geben von dem, was er überhaupt gedichtet hat, ſondern wir ſchälen das Edelſte und Beſte heraus aus einer— das ſagen wir ganz offen— Unmaſſe von Unbedeutendem, ja oft Abſtoßendem und Verzerrtem. Dieſe Perlen, die wir hier bieten, ſind es wert, in der evangeliſchen Chriſtenheit gekannt, von ihr geſchätzt und geliebt zu werden.
Wir geben allerdings auch in dieſen ausgewählten Liedern nicht den vollen urſprünglichen Text. Zinzendorf war im erſten Entwurf ſeiner Lieder oft ſehr kühn, rückſichtslos kühn. Er mutete ſeinen Leſern oder Hörern Gedankengänge und Sprünge zu, die ihm der einfache fromme Chriſt nicht nachmachen konnte. dud. Und wenn es ihm auch manchmal gelang, andere in ſeinen ld kühnen Schwung hinein fortzureißen, ſo blieb er doch im ganzen auch bei ſeiner Herrnhutiſchen Gemeine vielfach unverſtanden. Er hat das nicht immer gefühlt. Wo er es aber fühlte, war er bereit, das urſprünglich Geſchriebene umzuändern. In der That hat er ſelbſt viele Umänderungen vorgenommen. Zum Teil geſchah das in der Weiſe, daß er das, was urſprünglich auf be— ſtimmte Perſonen und Verhältniſſe ging und Gelegenheitsgedicht war, für die Erbauung der Gemeine verallgemeinerte, nicht
die Kirchen⸗
ſagt von
d. Ugl
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