Druckschrift 
Geistliche Gedichte des Grafen von Zinzendorf : eine Auswahl zur Erinnerung an den Tag seiner Geburt vor zweihundert Jahren / herausgegeben von H. Bauer und G. Burkhardt
Seite
VI
Einzelbild herunterladen

VI zi mzendorſs

Freilich diejenigen, welche die Geſchichte unſrer deutſchen Faunpbüch Litteratur geſchrieben haben oder dieſe Litteratur wiſſenſchaftlich eam lehrend heute unter uns vertreten, ſind in auffallender Weiſe an Knapp hat Zinzendorf vorübergegangen. Sie haben ihn vielfach gänzlich verkannt, und gerade das Unbedeutende an ihm, das Bizarre und Verkehrte, das, was einer ganz vorübergehenden Verirrung angehörte, das haben ſie hervorgekehrt und oft mit einem ge gewiſſen Hohn, zu zeigen, wohin der Pietismus führe, der heu tigen Leſewelt vorgelegt. Wilhelm Scherer, in ſeinerGe⸗ ſchichte der deutſchen Litteratur,*) ſpricht zwar mit Anerkennung von der Brüdergemeine und ihrer ſtillen Wirkſamkeit, aber in dem Dichter Zinzendorf ſieht er nur einen Menſchen, der in kindiſcher Tändelei und mit leerem Wortgeklingel ſeine Schwärmerei für die

gegeben Et lich waren. Eime geviſe Arteileng, d lih in der worden iſ.

Dem g

Wunden des Heilands in Verſe bringt und ſich dabei in allerhand e Räir i Ungeheuerlichkeiten und in der größten Geſchmackloſigkeit gefällt. Pir volhn Daß er Lieder gedichtet hat wie:Chriſten ſind ein göttlich Vieismus Volk,Herz und Herz, vereint zuſammen,Die Chriſten gehn al d 1 von Ort zu Ort ꝛc., Lieder, die doch eigentlich zu den geiſtlichen T diſer! Schätzen der ebangeliſchen Kirche gehören und in viele Geſang ſeine dict bücher übergegangen ſind, wird merkwürdigerweiſe mit keiner wos er ibe

Silbe angedeutet. Aber auch Richard Weitbrecht in ſeiner Geſchichte der deutſchen Dichtung,**) der ſonſt für die Kirchen⸗ lieder des Pietismus durchaus Anerkennung hat, ſagt von Zinzendorf, daß er zwar manches ergreifende und liebliche Lied gedichtet habe, aber kaum ein kräftiges und großartiges. Und

indem er ihm den Vorwurf macht, den Anſtoß zu ſüßlichem nicht den Liebesgetändel und zu dem ungeſunden Kultus der Bräutigams Entwurf liebe gegeben zu haben, citiert er ein Lied der angegebenen Art, mutete ſe das allerdings haarſträubend iſt. Von allen Liedern Zinzendorfs zu, die ih weiß er nur dieſes eine namhaft zu machen, kein anderes, keins Und wen von allen denen, die in erhabenen Tönen die Liebe Gottes kühnen Ec preiſen oder die dankesfrohe Hingabe an den Erlöſer zum Aus⸗ auch bei ſe druck bringen! Und man darf wohl ſagen, daß das, was hat das!; Scherer und Weitbrecht hier ausſprechen, faſt das allgemeine bereit, das Uͤrteil der deutſchen Litteraturhiſtoriker iſt. Und doch finden ſich hat er ſel geſchah das

6. Auflage, Berlin 1891, Kap. 10, S. 346 u. f. immte 8

**) Stuttgart, Engelhorn 1880. S. 113 f war, für