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Der Gießener Anzeiger : die älteste Zeitung Gießens ; ein Beitrag zur heimischen Kulturgeschichte / von Karl Ebel
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auch in dem Provinzblättchen eine nur den Eingeweihten verſtändliche Verteidigung des Theologie⸗Profeſſors und Superintendenten Benner gegen einen Angriff der Frank⸗ furter gelehrten Blätter ihre rechte Stelle finden.

Der übrige Inhalt des Wochenblattes von 1750 iſt nicht ſo ausſchließlich für eine beſtimmte Klaſſe beſtimmt, er wendet ſich vielmehr an einen größeren Leſerkreis. Im all⸗ gemeinen entſpricht er der Ankündigung und ſucht dem Intereſſe vieler gerecht zu werden. Hie und da nimmt der Aufſatz, den eine jede Nummer bringt, den Charakter eines Leitartikels an, wenn er nämlich Dinge beſpricht, die gerade aktuell ſind.

So erſcheint z. B. in der Paſſionszeit ein Artikel von der Bitterkeit des Todes und zu Oſtern ein ſolcher von der Auferſtehung der Toten. Die einzelnen Ab⸗ teilungen, in die ſich heutzutage der nichtpolitiſche Teil eines Blattes gliedert, laſſen ſich im Wochenblatt, wenn auch nicht ſyſtemathiſch geordnet und benannt, wiederfinden. Es giebt einLokales, einVermiſchtes, aus der Gelehrtenwelt u. ſ. w. Da leſen wir Beför⸗ derungen und Verſetzungen von Beamten nicht nur in Gießen und Heſſen, auch Perſonalien hoher Beamten und Offiziere im Reiche, Nekrologe und andere Mit⸗ teilungen über hervorragende Perſönlichkeiten. Beſondere Aufmerkſamkeit wird den Vorgängen an unſerer Univer⸗ ſität geſchenkt. Jede Promotion und Disputation mit Angabe der verteidigten Diſſertation und des Namens des präſidierenden Profeſſors wird verzeichnet. Die Vor⸗ leſungsverzeichniſſe erſcheinen im Wochenblatt und häufig finden wir Mitteilungen über Profeſſoren und ihre Werke. Auch auswärtige Univerſitäten werden hie und da berück⸗ ſichtigt. Daran ſchließen ſich buchhändleriſche Nachrichten über kürzlich erſchienene oder demnächſt herauszugebende Bücher, oft mit Angabe des Inhalts. Die Land⸗ und Hauswirtſchaft wird ebenfalls gepflegt. In bald größeren, bald kleineren Beiträgen werden allerlei gute Ratſchläge gegeben z. B. zur Spargelzucht, zur Bekämpfung der Hornviehſeuche und der Heuſchreckenplage, zur Ver⸗ wahrung des Krauts gegen das Wild, Vertilgung von Raupen und Engerlingen u. ſ. w. In 25 Strophen wird die Kartoffel ſogar beſungen, und hierdurch ein anderer