Weltverbindungen wie kein anderes hierzu geeignet war. Es war ganz natürlich, daß nur gebildete Perſonen ſich mit der„Zeitungsſchreiberei“ abgeben konnten. Den Vorteil da⸗ von haben die Hiſtoriker, die in jenen erſten Zeitungen teil⸗ weiſe ausgezeichnete Geſchichtsquellen erblicken. Der Ueber⸗ gang der geſchriebenen Zeitung zur gedruckten bedarf keiner näheren Erläuterung, er war eine Notwendigkeit. Es ſei hier nur kurz bemerkt, daß es im 16. Jahrhundert neben den geſchriebenen auch ſchon gedruckte Nachrichten gab, die jedoch nur gelegentlich erſchienen, alſo das Hauptmerkmal der Zeitung, die Regelmäßigkeit, vermiſſen laſſen. Die erſten regelmäßigen gedruckten Blätter erſchienen am An⸗ fang des 17. Jahrhunderts in Straßburg und Frankfurt am Main. Beſonders in unſerer Nachbarſtadt, dem be⸗ deutendſten Handelsplatze Mitteldeutſchlands, entſtanden ſchnell nach einander blühende Unternehmungen. Von dort aus wurde Heſſen mit Nachrichten verſorgt. Es folgten von Städten, die für uns in Betracht kommen, mit Zeitungs⸗ unternehmen Hanau(1678) und Kaſſel(1731 und 1756). Darmſtadt erhielt erſt 1776 ein regelmäßig erſcheinendes Blatt, das von der Regierung zur Förderung ihrer Zwecke gegründet wurde und als erſten Schriftleiter Matthias Claudius erhielt.
Ein Menſchenalter früher als Darmſtadt erſcheint unſer Gießen auf dem Plan. Ehe wir uns jedoch mit dem erſten Erzeugnis unſerer einheimiſchen periodiſchen Literatur beſchäftigen, müſſen wir einen flüchtigen Blick auf die allgemeinen Verhältniſſe unſerer Stadt werfen.
Ueber Gießen in der letzten Hälfte des 18. Jahr⸗ hunderts haben wir mehrere zeitgenöſſiſche Schilderungen, von denen beſonders diejenigen Bahrdts und Laukhards als ſehr ſubjektiv gefärbt mit Vorſicht zu benutzen ſind. Alle jedoch ſtimmen darin überein, daß die Stadt ein unanſehnliches Neſt mit engen und krummen Straßen und häßlichen Häuſern geweſen ſei, umgeben von einem Wall, der höher als die meiſten Häuſer der friſchen Luft den Durchgang verwehrt habe. Dagegen wird die Umgebung der Stadt, trotz ihrer Vernachläſſigung durch die Kunſt ge⸗ lobt. Die Einwohnerzahl belief ſich nach mir vorliegenden Akten auf 3000— 4000 Menſchen, die ſich meiſt von Acker⸗ bau und Viehzucht nährten. Außer den üblichen Hand⸗


