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rakters bewies eine Kunſthöhe, welche ſie den glänzenden Erſcheinungen der deutſchen Bühnen an die Seite ſtellt. Mad. Grill(Iſabella) zeigte uns heute wieder, daß ſie in der Darſtellung des Tragiſchen, wie im Gebiete des heitern Konverſationsfaches gleich zu Hauſe iſt. Hr. Dietrich gab den Richard mit jenem Feuer und jener Poeſie der Darſtel— lungskunſt, die allein den Worten der Dichtung Bedeutung, ſeinen Geſtalten Leben und Wirklichkeit verleihen kann. Hr. Berg gab ſeine Rolle mit Wärme und Wahrheit. Hr. Wagner(Pilger) bewies uns, daß es blos von ſeinem Willen abhängt, unter die Reihe der gänſtig Erwähnten aufgeführt zu wer— den. Sunn; Ag ram). Provinzbühnen gleichen ſich in der Regel all überall.— Es iſt ein ſtetes Kommen und Gehen(manch- mal auch ein Durchgehen).— Das Publik um klagt über Darſtellungs⸗ mängel, der Theaterdirektor hinwie— der über Beſuchs mangel. Beifall und Mißfallen wechſeln nicht ſelten in Einer Vorſtellung. Jedoch:„Lob u. Tadel, muß ja ſein“.— Wir wollen beim Lob anfangen. Hr. Beneſch, vom Wiener Hofoperntheater, gab in der Durchreiſe ein Konzert, und erhielt auch hier, wie überall, durch ſeine Virtuoſi— tät auf der Violine großen, verdienten Beifall. Dll. Ruth, k. Hannov. Hofopern⸗ ſängerin, hat den Strom der Tonwel—⸗ len in große Bewegung gebracht. Sie gab 10 Gaſtrollen. Auf den Wogen ih- rer wohllautenden Stimme wurden alle jezt beliebten Opern vorgeführt, die über— haupt mehr oder minder anſprachen; ſie ſelbſt jedoch erhielt Beifall und Aner— kennung. Neben muſikaliſcher Bildung hat ihre Stimme Schmelz, und iſt be— ſonders bis in die höchſten Töne glo— kenrein; ihr Spiel hat Adel, Gefühl
) Von einem andern Keferenten.
und Wahrheit. Auch iſt ſie für eine Provinzbühne eine anmuthige Erſchei⸗ nung. Am 17. Nov. hatte ſie ihr Bene⸗ fiz, man gab„Johann von Paris“. In dem Arrangement vermißte man Hrn. Heinrich Börnſtein.— Es war lächer— lich— der Pracht bei der ärmlichen Ausſtattung erwähnen zu hören. Statt eines Baſſiſten, gab ein Schauſpieler den Seneſchall— ohne es anzuſagen. Ku— nert, ein in früherer Zeit ſehr braver Tenor, nur in etwas durch Lähmung ſeiner Stimme gehindert, beſizt dennoch ſchöne Mittel; er gab den Johann. Dlle. Ruth ſang zwei eingelegte Bravour— Arien, aus dem„Zweikampf“ und aus „Bianka und Fernando“ von Bellini, welche ſehr gefielen. Am Schluſſe wur⸗ den ihr zweierlei Gedichte und Roſen geſtreut; aus einer Loge fiel ein Kranz von friſchen Roſen, womit ſie ſich be— kränzte, und die rothen Roſen an die Bruſt ſtekte. In der Dank ſagung ent— ſprach ſie dem allgemeinen Wunſche, noch länger hier zu bleiben. Ein gedrängt volles Haus ehrte die Künſtlerin. Uebri⸗ gens hatte man hier die Oper ſchon beſſer dargeſtellt und ausgeſtattet geſe— hen. Kapellmeiſter Friedr. Müller, wel⸗ cher ſich auch als Opernkompoſiteur be— merk bar macht, leitet mit Energie die Opernmuſik. Im Schauſpiel iſt nun auch reges Leben. Unter Mitwirkung der an— weſenden Kunſtreiter Zlezak und Wolf, wurden„die Räuber in den Pyrenäen“ und„König Erich“ gegeben. Neue Dar— ſtellungen wären:„Virch Herwey“ nach Koopers„Spion“,„Helene“ von Bauern⸗ feld, der„Fel ſenſteg“,„Zurükſezung“ ze. In der„Jungfrau von Orleans“ er— ſchien in der Titelrolle eine Demoiſ. Roſen von Peſth. Am 18. Nov. gab ſie die Eulalia Meinau. Das Herzinger'⸗ ſche Ehepaar zeichnet ſich nebſt Mad. Kochansky in Charakterrollen aus. Nur fehlt es an einer jugendlichen naiven Liebhaberin; Dem. Blumauer iſt für


