110
(Deutſches Theater.— Wie⸗ der auftreten des Hrn. Stoll. — Kuran da's„lezte Roſe.“) Das Wiederauftreten des Hrn. Stoll iſt für das Peſther Publikum zu einem Welt— ereigniß geworden. Das Haus vermoch— te nicht die Maſſen zu faſſen, die ſich einfanden, um ihren ehemaligen Lieb— ling zu begrüßen, an deſſen Schikſal ſie doppelt Antheil nahmen, da ſie es waren, die ihn zu ſeiner glänzenden Bahn aufgemuntert und unter deren Augen ſeine ausgezeichneten Geſangsta— lente entwikelt und zur Reife gedie— hen waren. Es ward die Oper„Bea— trice di Tenda“ gegeben. Herr Stoll (Drombello) erſchien— ſtarker Applaus er ſprach— rauſchender Lärm— waren reuige Worte— Beifallſturm er verſprach Beſſerung— Thränen ungeheures Toben— Lorbeerkranz— Aufſezen! Eljen! u. ſ. w. Alles ver⸗ geſſen und vergeben!— Freudig waren dem verlornen Sohne die Arme geöffnet. Dieſem Vorgange gemäß, wäre es un— gerecht, an ſeine heutige Leiſtung einen ſtrengen Maßſtab anzulegen. Wir be— merkten noch den Rekonvales zenten in ihm, und er konnte ſeine herrli— che Stimme noch nicht in ihrem gan— zen Umfange zeigen, jedoch ſein milder, ſchmelzender Geſang erwekte innige Rüh— rung. Beſonders ausgezeichnet war er im 3. Akte, wo er durch ſeinen ſchönen ausdruksvollen, mit inniger Wärme vor— zetragenen Geſang das Publikum zu einem verdienten Beifallsſturme hinriß. Möge durch ſein Wiederſcheinen neues Leben in unſere brachliegende Oper kommen, und möge Hr. Stoll, bald gänzlich geheilt, wieder eine Zier— de unſerer Vübne werden! Den übri— gen Mitwirkenden können wir heute nur Worte des Lobes ſpenden. Dem. Vial kann die Beatrice zu ihrer beſten Part hie zählen. Sie zeigte Lebhaftigkeit u. Ge— wandt heit in der Koloratur, ſo wie ihre
es
Stimme vielen Wobllaut und Umfang entwikelte. Nur wäre ihr eine größere Leichtigkeit im Vortrage zu wünſchen. Sie erhielt lebhaften Beifall und ward wiederholt gerufen. Hr. Hirſch erwarb ſich durch ſeinen ſchönen, kräftigen Vor— trag allgemeinen Applaus. Auch er ward mehrere Male gerufen.— Am 28. v. M. kam zum erſten Male:„die lezte weiße Roſe“, Drama von Kuranda, zur erſten Aufführung Mehrere in neuerer Zeit mißlungene dramatiſche Geiſtesprodukte hatten heute einen großen Theil unſerer Theaterliebhaber abgeſchrekt, ſie Mel—
pomenens Hallen entfernt gehalten, und
man fürchtete heute wieder eine jener dramatiſchen Mißgeburten zu ſehen, die ihr ſieches Leben nur mühſam dahin ſchleppen; jedoch die wenigen Anweſen⸗ den wurden von der kräftig poetiſchen Sprache dieſes Stükes lebhaft angeſpro— chen, und der intereſſante Stoff, ſo wie die vortreffliche Bearbeitung deſſelben hielt unſere Spannung bis am Schluſſe aufrecht. Der Verfaſſer führt uns hier das unglükliche Ende des welt berühm— ten Kampfes der weißen u. rothen Roſe vor; wir ſehen einen unglüklichen Vrä— tendenten, geſchmükt mit allen Bür— gertugenden, nur darum aus ſeiner Dun— kelheit zum Throne und Glanz hervor— gerufen, um unter Meuchelmörders Hand zu ſterben, und mit ihm erbleicht die lezte weiße Roſe. Ihm gegenüber ſehen wir, ale Haupthelden dieſes Stükes, einen jungen Mann(Richard) am Hofe der Herzogin von Burgund, als deren Neffe und Prätendenten von England erzogen, ein Werkzeug dieſer rachgieri— gen und launenhaften Fürſtin, zulezt von dieſer aufgegeben, nur Tod und Verderben als Früchte ſeines kurzen Ruhms ärnten.— Mad. Kalis(Mar- gareth) gab uns heute wieder Gelegen— heit, die höchſt ergreifende Kraft und Wahrheit ihres Spieles zu bewundern und die treffliche Auffaſſung ihres Cha-


