Jahrgang 
1840
Seite
120
 
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pfing ich von meinem Vaterlande herr liche Veweiſe des Intereſſes und die Mittel, in die Ferne zu gehen, um mei nen Künſtler-Beruf zu entwikeln. Wenn nach langen Jahren der junge Mann zurükkehrt, ſeinem Vaterlande die Frucht ſeiner Arbeit, die Zukunft ſeines Wil lens zu bringen, ſo muß man die Be geiſterung ſich ihm öffnender Herzen, den Ausdruk einer nationalen Freude nicht mit den unſinnigen Veweiſen eines Di lettanten-Parterres vermiſchen. In dieſer Annäherung liegt meines Erach tens Etwas, das den gerechten Natio nalſtolz und die Sympathien, in denen ich mich geehrt fühle, verlezen muß. Em pfangen Sie gc. de. Hamburg, am 30. Oktober 1840. F. Liszt.

In der Antwort ſagt dieRevüe un ter Anderm:Der Leſer wird die Mo tive dieſes Briefes leicht einſehen. Hr. Liszt verwundert ſich, daß man den Un verſtand beſizt, ihn neben den Damen Elsler und Pixis zu nennen. Der jun ge Pianiſt will ohne Zweifel zwiſchen Beethoven und Mozart genannt ſein. Wir werden indeſſen abwarten, bis Hr. Liszt eine Phantaſie-Sonate, oder zum Beiſpiel die Ouverture zurZaub er flöte ſchreibt; bis dahin wird Hr. Liszt für uns bleiben, was er iſt: bewunde rungswürdiger Exekutant, ein Virtuoſe erſten Talents, und wir glauben ihm keinen Schimpf anzuthun, wenn wir ihn neben den ausgezeichnetſten Vüh nenkünſtlern nennen. Hr. Liszt über ſezt mit den Fingern die Inſpiration vollendeter Meiſter, wie Dem. Pixis, oder jede andere vorzügliche Sängerin es mit ihrer Kehle thut. Was ſeine ungariſche Natinalität betrifft, ſo wird ihm Niemand dieſe abſtreiten, obgleich in dieſen hoffährtigen patriotiſchen De monſtrationen etwas höchſt Wunderli

ches liegt bei Männern, die ſich nicht begnügen, zu uns zu kommen, unſere Beifallsbezeugungen u. Kränze zu for dern, ſondern ſich auch noch in all un ſere Gefühle miſchen, u. wie ſie ſagen, mit Frankreich ingemeinſamer Brü derſchaft leben wollen. Iſt es den ge nug, Pianiſt zu ſein, um in Frank⸗ reich ſtets eine Nationalität zu haben, womit man ſich gelegentlich ſchmükt und der man nach Belieben den Rüken kehrt? Ich bin Franzoſe, ſeht meine philo⸗ ſophiſchen und ſozialen Leidenſchaſten! ich bin Ungar, ſeht meinen Säbel! Nein, Herr Liszt, Sie ſind weder Franzoſe noch Ungar, Sie gehören, wie alle Virtuoſen, allen Ländern, wo die unſterbliche Stimme der Muſik ver- ſtanden wird ac.(Geſellſchafter.)

Preßburg. Die Kälte ſtieg hier ſeit einigen Tagen, bis auf 15 Grad, und die Donau iſt durch ſtarkes Treib⸗ eis ſchwer paſſierbar; bald dürfte die Komunikation ganz gehemmt ſein. Heu⸗ te(15. Dez.) blieb hier die Reichspoſt aus. Wie es bei dem neuerdings einge⸗ tretenen Schneefall mit den Fahrten im Inlande beſtellt ſein wird, weiß der liebe Himmel; wir dürfen uns auf Nach richten von Unglüksfällen vorbereiten.

O.

St. Petersburg. Rußland hat, mit Ausnahme Finnlands, jezt 599 Städte, in denen 4 527,000 Menſchen leben. Von der Geſammtbevölkerung des Kaiſerſtaates, das Czarthum Pohlen, Finnland und einzelne ſibiriſche Step pengegenden ausgenommen, ſind römiſche Katholiken 2,635,000; gregorianiſche Ar- menier 40,000; kat holiſche Armenier 28,200; Lutheraner und Reformirte 1,500,000; Mahomedaner 1,530,000; Juden 1,080,000; zum lamaiſchen Glau- ben(Heiden) bekennen ſich nahe an 100,000.

Redigirt von der Redaktion des Spiegels.