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Mignon- Zeitung.

Wien. Man lieſt imSchwäb. Merkur:Neuerlich ſind von einigen anliegenden Ortſchaften der Reſidenz Wien Bittgeſuche an Se. Maj. den Kaiſer eingereicht worden, um den Bau⸗ rayon erweitern zu dürfen, die aber ab⸗ geſchlagen worden ſind. Man ſcheint es ſchon aus polizeilichen Gründen nicht zu wollen, daß durch die fortwährende Aus dehnung der umliegenden Märkte und Fleken Wien mit ihnen in unmit⸗ telbare Berührung komme, zumal da eine frühere Beſtimmung den Normal⸗ ſtand der Einwohnerzahl der Reſidenz auf 300,000 Seelen feſtſezt, welcher allerdings durch den unaufhaltbaren Lauf der Dinge bei Weitem überſchrit⸗ ten iſt.

NewYork. Herr Forbes, der Direktor einer wandernden Schauſpie⸗ lertruppe in Nordamerika, wurde von einer Schaar Rothäute überfallen und gänzlich ausgeplündert- Die Indianer, denen etwas kühl ſein mochte, kleideten ſich haſtig in die geſtikte Tracht der Theatergaderobe, die ſie ebenfalls er⸗ beutet hatten, und da ſah man nun den Einen als Hamlet, den Andern als Othello und den Dritten als Cäſar gra⸗ vitätiſch⸗dumm umhertrippeln. In die⸗ ſem Pomp⸗Aufzuge gelangte das Raub⸗ volk vor das Fort Searle und führte vor den Augen der verblüfften Beſa⸗ zung die wunderlichſten Tänze aus.

Gotha, DerAllgemeine Anzei⸗ ger läßt es ſich ſehr angelegen ſein, die deutſche Sprache in ihrer Eigenthüm⸗ lichkeit geltend und klar zu machen; ſo waren neuerdings über dieſen Gegen ſtand wieder mehrere kleine Abhandlun⸗ gen ernſter Art aufgenommen. Jezt verſucht es uun Jemand, der Sache durch Ironie weiter zu helfen, indem er

folgenden Brief einſandte:Herr Re dakteur! Mit Indignation habe ich in Ihrem Blatte den ArtikelSprachbe merkungen geleſen. Was wird das fa⸗ ſhionable Publikum zu der Petulenz ſa⸗ gen, womit dieſer Vabillard in Betreff des Sprachſtyls zu debütiren intendirt? Hat er nicht mehr Reſpekt vor ſo vie len grandioſen ſchriftſtelleriſchen Auto⸗ ritäten, welche auch einſt vom Schul zepter determinirt wurden, möͤglichſt nach Fundamenten der deutſchen Spra⸗ che zu ſchreiben und zu konverſiren? Aber dieſen Korrektions-Inſtituten ſind wir Gottlob! entwachſen und produ zirt ſich Jeder, wie ihm der gelehrte Schnabel accommodirt u. perfektionirt worden iſt, ohne mit ſeinen philologi ſchen Kenntniſſen in der Retraite zu bleiben. Der gute Mann mag wohl, wenig Rencontre mit der franzöſiſchen und lateiniſchen Sprache auf der Schu le gehabt haben, und deshalb manquirt ihm die Penetration zur Intuition, daß der von ihm buntſchek ig genannte Styl eben einen Lüſtre auf die Erudition der Autoren wirft. Wir wollen ja eben eine neue, mit Fremdwörtern pikirte deut⸗ ſche Sprache haben, wie es unſern ſauer acquirirten Kenntniſſen convenirt: wir desavouiren die altere ſimple Sprach weiſe und mögen nicht gern die Eng länder mit ihrer lieblich bunten Spra che noch lange in Avanee ſein laſſen. Nicht mit Unrecht prätendirten und do cirten unſere Väter:ein Wort Latein (auch Franzöſiſch) ziert ſeinen Mann! Können wir denn dafür, daß die Leſe welt ſo viel Ignoranten hat? Sie gen darin einen Impuls finden, ſelbſt fremde Sprachen zu kultiviren, oder ſich bei diverſen Schriftſtellern an ihre eminenteren Freunde adreſſiren und ſich von ihnen informiren laſſen. Der Scherz iſt gut, aber hel fen wird er wenig.

Redigirt von der Redaktion des Spiegels.