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Im zwelten Akte der Oper wird Frl. Schebeſt auf Verlangen die Arie aus Gemma di Vergy einlegen, die in dem Theaterkonzert am 21. ſo glänzende Wirkung machte. Zugleich wird das Publikum im Barbier von Sevilla Hrn. Wrede, der durch ſeine ſchöne Stimme und gebildete Vortragsweiſe bereits ſein Liebling geworden, in der Rolle des Figaro, ſeiner vorzüglichſten, kennen lernen.“
Berlin. In dem Cirkus olympi⸗ kus wird jezt ein ſchauderregendes Kraft— kunſtſtük gezeigt: Herr Averino ſtürzt ſich mit verkehrtem Körper aus der Hö— he des Theaters auf ein lebendiges Pferd hinab, das er ergreift u. ſich mit dem; ſelben frei in die Luft erhebt.— In dem Opernhauſe beweiſt die prachtvoll arrangirte Auberſche Oper„der Feen— ſee“ und im Königſtädter Theater Herr Döbler durch ſeine Zauberkünſte fort— während große Anziehungskräfte. Na⸗ türliches gilt heutzutage nun ein für alle Mal nichts mehr, und vor der na— türlichſten Natur, der Wahrheit, nimmt ſogar Alles Reißaus. Selbſt die Kunſt macht nur Kunſtſtüke, das beweiſt der jezt hier anweſende Violiniſt Ole Bull! Er wäre ein großer Künſtler, wenn er nicht ein Hexenmeiſter ſein wollte.
Muſtk.
Stuttgart. Das Morgenblatt läßt ſich über die jezigen Virtuoſen fol— gendermaſſen mit vollem Rechte verneh— men:„Was die Virtuoſen unſerer Zeit bezeichnet, iſt der Mangel an Hervor— bringungsgabe. Ihre Kunſt beſteht im Variiren und Zuſammenleimen verſchie— dener Themata. Wo Roſſini und Kon— ſorten nicht geſäet haben, da kann ſie nicht ernten. Studien, Fantaſiten und Kaprizen u. ſ. w. ſind nur Aus häng⸗ ſchilder, welche ſagen, hier iſt kein Ori⸗
ginal⸗Themo zu ſuchen. Dleſe Art Mo⸗ dulation bildet den Haupt-Inhalt ſelbſt der Kompoſition des Virtuoſen Thal⸗ berg. Hat Liszt, Klara Wieck, Hen⸗ ſelt u. A. ein ſing- und verſtehbares Thema erfunden, wie Hummel deren Hundert erſchuf? Mit Ausnahme von Liszt ſind die meiſten der jezt herum⸗ reiſenden Klavier- und Violin-Virtuo⸗ ſen reche flache Alltags menſchen. Nicht das Genie hat ſie auf die Höhe der Kunſt geleitet, nein, blos die— Ge⸗ duld. Einer von ihnen hat während 10 Jahr 12 Stunden täglich gehämmert und gefingert. Muß die kunſtſinnige Welt nicht dieſen zu bemitleidenden Hiob anſtaunen? Nun kömmt einer, welcher ſchon vom ſechſten Jahre ſeines Lebens an faſt Tag u. Nacht am Kla⸗ vier verlebt hat; der tritt jenen in den Staub, u. ſo geht's immer fort. Nicht die Ausbildung des Gemüthes entſchei⸗ det; die Hand und die Kunſt mit fünf Fingern ſo viel abzuſpielen, als ſonſt nur zehn zu bezwingen möglich war. Darum verſchwinden dieſe Künſtler auch ſo ſchnell unſern Augen, das geſtrige Geſtirn vor dem heutigen. Und welches Ohr kann wohl die Tauſende von rol— lenden Tönen begreifen, oder ſich eine Melodie herausfinden. Die romantiſche Schule haſcht nur nach Effekt, u. wirkt nicht auf das innere Gefühl. Nur der Genius iſt unſterblich, die Fertigkeit, die Saitenſpielereien werden jeden Tag überboten. Man verſucht jedem Inſtru⸗ mente einen andern Charakter zu ge⸗ ben. Die menſchliche Stimme ſoll Vio⸗ lin⸗Variationen ſingen. Die Geige wird zum Flageolet. Selbſt das ernſthafteſte aller Inſtrumente, die Baß-Poſaune, auch ſie muß Violinpaſſagen ausführen. Und alles das klingt ſehr übernatürlich und gefällt. Wir haben den wahren Geſchmak an der Muſik ganz verloren, und gefallen uns blos an der Uebertäu⸗ bung deſſelben.“
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