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Müller, am Schluſſe einſtimmig geru— fen, dankte mit einigen ſinnigen Wor— ten. J. S. Preßburg). Geehrter Herr Redakteur! In Nr. 84 des Spie⸗ gels leſen wir einen längern Artikel über unſere Operngeſellſchaft. Wenn ſchon in einer frühern Nummer die kur— ze Nachricht, daß die Oper„Norma“ gänzlich fiasko gemacht, ganz unwahr iſt, da gerade das Gegentheil ſtatt— ſand, ſo ſpricht ſich in dieſem län— gern Artikel die Abſicht noch deut— licher aus, unſere dermalige Opern— geſellſchaft und ihre Leiſtungen herab— zuſezen. In Verfolg dieſes Referates heißt es:„Dem. Dielen hätte ſich nur im 1. Akt als Prima-Donna behaupten konnen.“ Der Referent übergeht, wie es ſcheint, abſichtlich, daß Dem. Dielen die große Arie im 1. Akt mit ſolcher Virtuoſität ſang, daß die Wiederholung derſelben vom Publikum ſtürmiſch ver— langt wurde und ſie dann noch zwei bis drei Mal gerufen wurde. Auch das Duett im zweiten Akt wur— de zur Wiederholung verlangt, welchem Verlangen beide Sängerinen bereitwil— lig entſprachen und nach ihrem Abgang unter allgemeinem Beifall gerufen wur— den. Wenn es alſo wirklich der Fall geweſen wäre, daß Dem. Dielen gegen Ende der Oper etwas ſchwächer geſun— gen bätte, dem ich aber gänzlich wider— ſpreche, ſo würde dies nach ſolchen an— ſtrengenden Wiederholungen eher Nach— ſicht als ſolche Rüge verdienen. Es iſt nur eine Stimme im Publikum, daß Dem. Dielen ſeit ihrem lezten Hierſein
*) Als Beweis unſerer Unpartheilich⸗ keit laſſen wir hier dieſes Referat mit wenigen nothwendigen Abände— rungen folgen. Wir unſerer Seits können es nul anſern geehrten Le— ſern in Preßburg überlaſſen, die Wahrbeit von beiden entgegenge— ſezten Anſſchten herauszufinden.
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an Stimme und Kunſt gewonnen bat; ihre Triller ſind rein, ſchulgerecht und ſie ſchlägt ſie in allen Tönen mit Sicher— heit an; ſo wie in ihrem kolorirten Ge— ſang jede Note klar u. deutlich zu hö— ren iſt. Herr Horſt iſt noch Anfänger und hat erſt ſieben bis acht Mal die Bühne betreten; derſelbe hat mit über⸗ großer Befangenheit zu kämpfen, und jeder Billigdenkende wird ſein Urtheil auf ſpätere Leiſtungen verſchieben.— Hrn. Hanker(nicht Haeker) geſteht Re— ferent eine hübſche Perſönlichkeit und wenn nicht kunſtgerechten doch verſtän— digen Vortrag zu, geſteht auch, daß derſelbe Beifall erhalten, jedoch nicht, daß er mehrere Male gerufen wurde, und ſchließt mit der Bemerkung, daß deſſen Stimme ganz klanglos ſei. That— ſache iſt es, daß Hr. Hanker ein junger Mann von gewinnendem Aeußern iſt, und eine friſche, klangvolle Stimme be— ſizt. Durch eine gute italieniſche Schu— le weiß er ſein wunderſchönes Falſet ſehr glüklich mit der Bruſtſtimme zu verbinden, und es bleibt nichts zu wün— ſchen übrig, als daß derſelbe mehr Feuer in ſein übrigens gutes und durchdach— tes Spiel legen möchte. Dem. Caradori (nicht Coradori) iſt eine ſehr liebliche Bühnenerſcheinung, und iſt alternirend mit Dem. Dielen für erſte Parthien en— gagirt. Sie wußte ſich in der kurzen Zeit ibres Hierſeins in der Gunſt des Publikums als Adalgiſa, Lucia, Ami— na und Romeo feſtzuſezen. Dem. Ca— radori beſizt einen umfangreichen Mez— zo⸗Sopran und iſt eine Schülerin des Wiener Konſervatoriums.— Schließlich bemerkt Referent, daß ſich das Publi⸗ kum in ſeinen Erwartungen getäuſcht ſehe— daß dies nicht der Fall iſt, be⸗ weiſen die mit geſteigertem Beifall auf— genommenen Leiſtungen der Geſellſchaft. Mit welchem Fleiß und Eifer die Ge— ſellſchaft für das Publikum beſorgtliſt, zeigt, daß wir binnen acht Tagen fünf


