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große Opern zu bören dekamen. Als: Norma, Lucia, Sonnambula, Montecchi und das Nachtlager, in welch leztern Oper der neu engagirte Baritoniſt Hr. Haimer ſich vielen Beifall zu erwerben wußte. Wir freuen uns auf noch viele genußreiche Abende, die uns mehrere hier noch nie gehörte Opern, die dem Vernehmen nach, einſtudirt werden, als: „Der Poſtillon v. Lonjumou““,„Pferd von Erz“,„Robert Devreur“,„Tor- quato Taſſo“,„Guido u. Ginevra“ gc. gewiß gewähren werden.— Ich ſchließe mit der Bemerkung, daß wir hier ſehr gerne Referate über die Leiſtungen un— ſerer Theatergeſellſchaft, deren leider ſehr wenige erſcheinen, leſen; daß unſer verſtändiges Publikum wohl zu unter⸗ ſcheiden weiß, was von der Geſellſchaft des Hofoperntheaters der nahen Reſidenz zu fordern und von der hieſigen billi— gerweiſe zu erwarten iſt; daß aber das in Rede ſtehende Referat allgemeinen Unwillen(2 erregte. Preßburg, den 23. Okt. 1840. Ein Freund der Wahrheit. Dresden.„Werner“, von Gutz⸗ kow, wurde hier zwei Mal hinterein⸗ ander mit dem größten Erfolge ge— geben. Am 28⸗ten September war das Stük zum erſten Male, den 30. wurde es wiederholt. Emil Devrient als Werner wurde drei Mal, Dem. Bauer zwei Mal, am Schluſſe alle ge— rufen. Die beiden Künſtler, ſo wie Dem. Anſchütz und die Herren Pauli und Hellwig, waren trefflich, und das Zu— ſammenſpiel fleißig und faſt ohne Ta— del. Das Stük wird ein großer Fort— ſchritt Gutzkow's genannt; gewiß iſt von ihm, nach dieſen Proben, für die deut— ſche Bühne das Beſte zu hoffen. In Dresden hat der Dichter durch dieſes Stük ſeinen Kredit feſtgeſtellt, und mich erfreute wahrhaft die enthuſiaſtiſche Anerkennung des Publikums.— Zu Neujahr hofft man das neue Theater
zu eröffnen, und wenn es ſo zwekmä⸗ ßig als glänzend wird, ſo können wir zufrieden ſein.—„Templer und Jü⸗ din“, mit der Schröder-Deverient und Tichatſcheck, werden einſtudirt.
Nteratur.
Literariſches Portfolio. Noch zwei Romane der Herzogin von Abrantes, der einſt vielgefeierten Frau, die zulezt Liebes- und Leidensgeſchich⸗ ten ſchreiben mußte, um zu Mittag eſſen zu können, haben einen Ueberſe⸗ zer gefunden, und werden ſich bei dem Namen, den die arme Wittwe Junot's hat, auch wohl Leſer erwerben. Die beiden Romane heißen:„Louiſe“ und „die beiden Schweſtern“, ſind von We— ſché überſezt worden und im Verlage von Kollmann in Leipzig erſchienen.— Auch zwei Erzählungen von Georges Sand, überſezt von Suſemihl, dann „Maria von Mancini“, von Sopbie Gay, von Fanny Tarnow übertragen, ſind in demſelben Verlage erſchienen.— An engliſchen Romanen brachte derſelbe Verleger einen Schauer- und Schre— keneroman, deſſen Titel ſchon auf ein Meer von Blut und Thränen deutet: „der Pirat im Golf von Barrataria“, überſezt von Alvensleben, dann einen Roman des fruchtbaren James,„Hein— rich von Guiſe.“ Die Arbeiten James wurden ſchon mehrfach in öffentl. Blät— tern ausführlich beurtheilt, u. es würde zu Wiederholungen führen, ſollte jeder einzelne Roman dieſes thätigen und po—⸗ pulären Schriftſtellers Gegenſtand ei⸗ ner größten Kritik werden. James hat ſich in Deutſchland ſchon ein ziemlich beträchtliches Publikum erworben— Von der Gräfin Hahn⸗Hahn ſoll näch⸗ ſtens ein neuer Roman,„Fauſtine,“ er⸗ ſcheinen; ihre hübſche Ausbeute auf ei⸗ ner Reiſe nach Italien ſoll nächſtens in unſerem Blatte beſprochen werden.—


