95

und welches uns Caſtelli ſo meiſter- und muſterhaft gezeichnet bat. In manchen Spielgeſellſchaften, denen ſelbſt das Whiſt nicht mehr genügt, macht man ein kleines Ombre, während andere ſich mit einem Tarok⸗Tapp begnügen. Das alte Tarok⸗Pagat aber iſt faſt aus al len Kreiſen verbannt; die jungen Herren und Damen finden gar keine Routine mehr darin, während die ältern das ſelbe ſchon vergeſſen haben, und auch die literariſchen und deklamatoriſchen Abendunterhaltungen ſind auf wenige Familien beſchränkt geblieben, und auch bei dieſen wieder in Vergeſſenheit gerathen. In manchen Privathäuſern ſind gewiſſe Abende in der Woche zu Quartett⸗Muſik oder Vokalkonzerten beſtimmt, auf welche, wie bei den mei⸗ ſten erwähnten Unterhaltungen, ein förmliches Souper folgt. Iſt die Ver⸗ ſammlung größer, ſo theilen ſich die Gäſte gewöhnlich in zwei Partheien, wovon die eine die Spieltiſche bevöl⸗ kert, und ſich ausſchließend mit den kleinen bunten Bilderchen beſchäftigt, einige alte Herren auch wohl eine Schach⸗ parthie machen, oder kannegießen. Die jungen Leute mitunter einige ältere und unvermählte, die ſich und Andere gern überreden möchten, ſie ſeien noch jung bilden ihren eigenen Kreis, ſpielen ſogenanntekleine Spiele laſ⸗ ſen Charaden und Sprichwörter erra then, die mimiſch dargeſtellt werden, oder es wird muſizirt, und nach den Tönen des Pianoforte getanzt, wo oft eine Schöne, die ſich ſehr gern mit im Wirbel des Wal zens oder der Wal⸗ zer⸗Galoppe drehen würde, weil ſie aber das Unglük hat, am beſten zu ſpielen, oder die beliebt eſten Strauß'ſchen Wal⸗ zer zu kennen, das Orcheſter vorſtellen muß, und vor Unluſt am Ende aus dem Takte kommt. Parſies. Der Eskamoteur Phi⸗ lipp machte in Paris gewaltiges Auf⸗

ſehen, der Zudrang in ſeine Vorſtellun⸗ gen wurde von Tage zu Tage in eben dem Grade beiſpielloſer, als die Pro duktionen ſelber beiſpiellos ſind. Was dieſer Mann an Unglaublichkeiten bie tet, dürfte aber auch in's Weite gehen, und diejenigen guten Pariſer(welche Liebhaber von dergleichen ſind, wiſſen das zu ſchäzen. Monſieur Philipp zeigt unter Anderem einen leeren Hut; Je der, der ſich geſunder Augen, oder mindeſtens eines ſcharfen Glaſes erfreut, kann ſich, traut er ſeinem Auge oder ſeiner Lorgnette nicht, handgreiflich ü berzeugen, daß es eben ein leerer Hut ſei und nichts weiter. Wie aber wird ihm zu Muthe, wenn er gleichzeitig ſieht, daß nach und nach in beſtmöglich⸗ ſter Ordnung ein Menageriechen her ausſpaziert, das aus großen Neufund⸗ länder⸗Hunden und grimmigen Orangou⸗ tangs, aus ſchreienden Hähnen, Fiſchen und abſcheulichen Fledermäuſen beſteht. Nebenher ſchüttet der liebenswürdige Chapeau hübſchen Griſetten die allerſchön⸗ ſten Blumen, als Roſen, Nelken, Tul⸗ pen in den Schooß, und iſt eine Bau⸗ ersfrau, die ihr dreijähriges Söhnchen eine Viertelſtunde weit getragen, etwa ermüdet, der Chapeau ſchiebt ſo eben ein bequemes Federbett aus ſich hervor, während er ihren erſchrekten Jungen, der in der Menſchenmaſſe Gefahr läuft zerdrükt zu werden, mit den niedlich⸗ ſten Spielwaaren beſchenkt. Dabei ſchreit Monſteur Philipp in einem fort:par pure nature, messieurs et mesdames, par pure nature, rien de plus! Sieht das nicht einem amerikaniſchen Puff ähnlich, und iſt doch keiner, ſon⸗ dern eine bloße Eskamotage, par pure nature.(Wie ſchon erwähnt, iſt die⸗ ſer Philipp in Wien angekommen. Da werden wir noch mehr von ihm hören.)

London. Es werden immer noch jährlich ungefahr 170,000 Afrikaner als Sklaven verkauft. Seit mehr als drei⸗