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dern auch 50 andere Dörfer auf der Stelle niedergebrannt werden.— Bei der jezigen Anweſenheit ſo vieler Mu— ſelmänner in Paris kommen ihre Sitten manchmal in ſeltſamen Konflikt mit den hieſigen. Ein pikanter Vorfall dieſer Art iſt folgender: Der perſiſche Geſand— te befand ſich dieſer Tage im Konzerte des ehemaligen Muſard'ſchen Saales mit ſeinem Dragoman, u. beginnt ſich plöz— lich ſehr für eine vor ihm ſizende Da— me zu intereſſiren, die, eine femme en- tretenue, mit ihm kokettirt. Der Per— ſer wikelt endlich ſeinen eigenen indi— ſchen Shawl von ſeinem Turban los und gebietet dem Dragoman, denſelben der Dame zu überreichen. Das Geſchenk wird natürlich mit graziöſem Dank an— genommen. Doch unerwartet kommt der Liebhaber der Dame, geräth in Wuth über die Annahme des Geſchenks und will den Perſer zwingen, daſſel be zu— rükzunehmen. Da erklärt ihm der Dra— goman ſehr beſtimmt, wie das muſel— mäniſche Geſez jede Zurüknahme einer Schenkung ausdrüklich verbiete, u. die Dame muß den Shawl behalten. Als ſie am andern Tage zu dem bekannten indiſchen Shawlhändler Fichel geht, um den ungefähren Werth des Geſchen— kes zu erfahren, bietet ihr dieſer auf der Stelle dafür 11,000 Franks. Man kann denken, wie manche Pariſer Da— me jezt ſich nach einer Begegnung mit dem perſiſchen Botſchafter ſehnet! Rew⸗ York. Auf Gottes weiter Erde iſt der Sonntag nirgends lang— weiliger als in den Vereinigten Staa— ten. Alles muß ſtill ſein wie das Grab. Am ſchwerſten fällt es den Oeutſchen ſich der herrſchenden Obſervanz zu fü— gen. Wilhelm Denecke in New-Pork be—⸗ ſchloß, ſeinen lieben Landsleuten den erſten Tag in der Woche erträglicher u. weniger langweilig zu machen. Dar⸗
um eröffnete er einen„Tempel der Ge— ſundheit!“, in welchem ſich Sonntags Männlein und Weiblein nach deutſcher Sitte einfanden, um zu ſingen und zu tanzen, ein Glas Vier u. ein Schnäps⸗ chen zu trinken. Daran nahmen jedoch die frommen Nachbaren ein Aergerniß und zwei derſelben, Georg Paul und Franz Oberſcheid, beklagten ſich über das unchriſtliche Weſen bei der Polizei. Der Menſchenfreund Denecke, Beſizer des Tempels der Geſundheit, wurde ver— haftet, mußte 500 Dollars Bürgſchaft ſtellen n. verſprechen, künftighin hübſch Ruhe am Tage des Herrn halten zu wollen. Noch mehr. Ein Herr George Frisbey klagte ihn an, weil er an ei— nem Sonntage Liqueur verkauft hatte. Dafür mußte er 4 Dollars 75 Cents Strafe und Koſten erlegen; denn wer am„Sabath““ ſich dergleichen zu Schul— den kommen läßt, den ſtraft das Geſez mit 1 bis zu 5 Dollars Strafe. Dene— cke zahlte.
London. Zu Mont Mellerey in der Grafſchaft Waterford befindet ſich eine Art Mönchskloſter, das gegenwär— tig 86 Mitglieder zählt, die ſämmtlich eine lange braune Kutte tragen. Ihre ganze Zeit iſt, die Stunden des Schla⸗ fes abgerechnet, dem Gebete oder der Feldarbeit gewidmet. Sie gehen das ganze Jahr hindurch um 8 Uhr Abends zu Bett, und ſtehen um 2 Uhr wieder auf. Ihre Koſt iſt blos vegetabiliſch, und wächſt in ihrem eigenen Garten; nie eſſen ſie Fiſch- oder Fleiſchſpeiſen, und ihr einziges Getränk iſt Waſſer. Ihre Kapelle iſt ausnehmend ſchön, und wird von den zahlreichen Beſuchern be— wundert, welche der Abt mit großer Gaſtfreiheit aufnimmt. Die Mönche be— obachten ſtets das tiefſte Schweigen, u. ſind faſt unaufhörlich mit ihren ländli⸗ chen Arbeiten beſchäftigt.
Redigirt von der Nedaktion des Spiegels.


