0

kundete die Bäuerin in angeborner Un ſchuld, aber eine Baͤuerin von der liebens⸗ würdigſten, anmuthigſten Seite, wie man ſie nicht alle Tage findet, aber dech ſo denkbar, ſo möglich iſt, daß ſie unwiderſteblich Glauben einflößt. In beiden Rollen erhielt Frln. v. Hagn ei⸗ ne große Beifallsernte. Wie oft ſie ge rufen wurde, vermochten wir nickt zu zahlen, und als ſie am Schluſſe dem Pu blikum verkündete, daß dies nicht, wie an⸗ gezeigt, die lezte Vorſtellung ſein werde, ſondern, daß noch zwei folgen würden, da erdröhnte das Haus von freudiger Zuſtimmung. Von den Mitwirkenden erwähnen wir in dem erſten Stüke die H. H. Dietrich(Wieſe) und Kalis(Lieu tenant Vorn) u. im zweiten Hrn. Verg (Hofrath Reinhold), die würdig der Künſtlerin zur Seite ſtanden. Die beiden fernern u. lezten Gaſtrollen der Frln. v. Hagn waren am 4. d. die Co⸗ rona von Saluzzo in Raupachs Schau ſpiel gl. N. und am 5. die Sabine in Töpfers Luſtſp.:die Einfalt vom Lan de. Der für Theaterberichte nur karg zugemeſſene Raum in dieſen Blättern geſtattet uns nur zu refertiren, daß ſie uns in der erſtern Rolle ein treffliches Gebilde voll Charakteriſtik und tie fer pſychologiſcher Wahrheit aufſtellte und wenn nur die Künſtlerin in dergleichen Nollen ihr Organ einer größern Modu lation unterwerfen wollte, wodurch der Vortrag weniger manirirt und monoton erſchiene, ſo ſtünde ſie in allen Theilen unübertrefflich da, wenn ſie auch das ſogenannteLoslegen, ſo einladend die Stellen dazu auch ſein mögen, alle Zeit verſchmäht. Das Publikum nahm übri gens die Leiſtung ent buſtaſtiſch auf. Als Sabine war ſie wieder in der höchſten Potenz eminent. So muß man dienai ven Rollen geben, um einerſeits ſich in ſeiner ganzen Aimablität zu präſen⸗ tiren, und andererſeits den Forderun gen der ſtrengſten Kritik zu entſprechen.

Die Durchführung der Rolle war ſo exakt, daß ſie uns ein gerundetes Gan zes hinſtellte; die Unebenheiten, die die leichtfertige Behandlung des Verfaſſers binterließ, wurden durch dies treffliche Spiel ausgeglichen. Die Künſtlerin ent zükte das ganze Publikum zu dem ein⸗ einſtimmigſten Applauſe, der je geſpen⸗ det wurde. Sie ward nach jedem Ak te, nach jeder pikanten Szene zwei bis drei Mal von dem übervollen Hauſe ger u⸗ fen und nahm in ſchönen Worten Ab⸗ ſchied. M. Prag. Die Debüts des jungen Ba⸗ ritoniſten Herrn S. Mayer, welchen (wie ſich öffentliche Blätter ausdrükten) Hr. Stöger dem iſraelitiſchen Tempel dienſt entführte, um ihn auf die Bret⸗ ter einzuführen, welche die Welt be deuten, haben ein ſonderbares Reſultat gehabt. Dem Vernehmen nach ſoll der Baritoniſt unſerer Bühne, Herr Kunz, ſeinen Kontrakt mit der Direktion nur unter der Bedingung und zwar oh⸗ ne Gagenerhöhung erneuert haben, daß Herr Mayer ſogleich wieder entlaſ⸗ ſen werde. Man eilte alſo mit den De⸗ büts des jungen Mannes, und gab ihm zu den beiden erſten Rollen den Sir Nichard Fort in denVuritanern und Oroviſt in derNorma. Beide Opern mußten an zwei aufeinander folgenden Sonnabenden gegeben werden, und die Prager Indenſchaft fand ſich in Maſſe ein, um ihren Glanbensgenoſſen zu er⸗ muntern; aber ihre Beifallsbezeigungen fanden eine ſtürmiſche Oppoſition.Ein Schlachten war's, nicht ein Debüt zu nennen! u. der unendliche Skandal er höhte die gewöhnliche Befangenheit ei nes erſten theatraliſchen Verſuches bei Hrn. Mayer beinahe zur Verzweiflung, die ihm die Kehle zuſchnürte, ſo daß nur hie und da ein ſchöner Ton her vor ging, aus dem man auf die übrigen ſchließen konnte. Wenn Herr Mayer

klug iſt, ſo wird er trachten, ſobald