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Mittwoch, 7. Oktobber.
1840.
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Thenter.
Peſt h.(Charlotte v. Hagn.) Der ſprechendſte Beweis für die hohe Kunſt⸗Kapacität unſers hochgeſchäzten Berliner Gaſtes iſt der Umſtand, daß ſich die Theilnahme des Publikums mit je⸗ der Vorſtellung in großem Maße ſteigerte. Das alte„Käthchen v. Heilbronn“, das, bei ſeinem unbeſtreitbaren guten Gehal— te, doch ſchon ſeit Jahren kein Haus mehr machen konnte, zog mit Frl. v. Hagn am 2. d. ein ſehr großes Publi— kum an, das dem ſinnigen Spiel der Künſt— lerin, voll Schlichtheit, Geradheit u. liebenswürdiger Naivität, die gerechte⸗ ſten Beifallsbezeugungen zu Theil wer⸗ den ließ.— Aber unendlich füllte ſich das Theater am folgenden Tage, an welchem, zum Benefiz der Künſtlerin, Bauernfelds„Tagebuch“ und Ifflands „die Liebe auf dem Lande“ gegeben wurden. Das Verlangen nach Sperrſizen war an dieſem Tage ſo groß, daß die Muſiker den Orcheſterplaz räumen und daſelbſt noch mehr als achtzig Sperrſize angebracht werden mußten. Das ſpricht wohl mehr als alle Diatriben und weit hergeholter Wortſchwulſt einer gewöhn— lichen Theaterkritik; das Publik um in Peſth iſt mit jenem in Berlin, Ham⸗ burg, St. Petersburg v. ſ. w. einig
und achtet Charlotte v. Hagn als elne der begabteſten Töchter Thalias, die je die deutſche Bühne betraten. Um ſpe⸗ ziell auf den Abend zu kommen, ſo wa— ren die beiden Rollen, Lucie(im„Ta— gebuch““) u. Margaretha(in„die Liebe auf dem Lande“) kleine Meiſterſtüke. Beide gebören in das eigentliche Ele— ment der Künſtlerin, die, wenn ſie auch in der Tragödie ſich als würdige Träͤ— gerin des Kothurn beweiſt, doch im Luſt⸗ ſpiele ſich ſo ganz beſonders heimiſch fühlt, und ſich ſo wie zu Hauſe mit einer hinreißenden Nonchal ance bewegt. Sie brachte in die erſtere Rolle eine ſolche behagliche Freundlichkeit, eine ſol— che natürliche Lebendigkeit, mit obliga⸗ ter Schelmerei u. nekiſcher Laune, daß das Publikum in immerwährender Hei- terkeit erhalten wurde. Man lachte mehr als bei dem beſten Lokalſtüke, nur daß man hier nicht durch ſkurile Lap⸗ palien, ſondern durch die feinſten Schat— tirungen dazu gereizt wurde. In der zweiten Rolle repräſentirte ſie die liebe ländliche Einfalt auf eine ergszliche Weiſe. Sie war ganz Natur, ohne Ge— ſuchtheit und wußte zu gefallen, ohne, wie andere ſogenannte naive Schauſpie⸗ lerinen, zu einer hier unzeitigen Koket⸗ terie ihre Zuflucht zu nehmen. Gang, Haltung und Gebehrden, Alles beur⸗


