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Ohne Zweifel erräth Jeder, daß Herr A... jene Brieftaſche gefunden, und da er nur durch dieſe Summe in den Stand geſezt wurde, ſich ein Vermögen zu erwerben, hielt er es für ſeine Pflicht, die unermeßlichen Reichthümer, welche er gewonnen, mit Jerome Pertuis zu theilen.— Eine junge Creolin, eine gebildete, ſchöne Frau, erzählt ein Pariſer Blatt, machte vor einigen Ta— gen in Begleitung ihres Mannes, eines jungen Advokaten von vielem Talente, einen Spazirgang auf dem Boulevards. Vor dem Laden eines Kurioſitätenhänd— lers fällt ſie plözlich in Ohnmacht, ſie bat unter den Merkwürdigkeiten, die dort zur Schau ausgeſtellt ſind, den wohlerhaltenen Kopf eines junzen Ne— gers entdekt, den ſie früher geliebt, und der vor zwei Jahren auf räthſelhafte Weiſe von St. Domingo verſchwun den war. Der Eindruk, den jener furcht— bare Aablik auf die Dame machte, war ſo gewaltig, daß ſie die Umſtehenden in das nahe Haus eines Arztes tragen muß⸗ ten, der ihr die Hilfe ſeiner Kunſt wid— mete. Der Karioſitätenhändler hat den Kopf von einem creoliniſchen Mat roſen erhandelt; in Paris lebende Bewohner von Hayti wollen nun kein Mittel un⸗ verſucht laſſen, zu erforſchen, durch wel—⸗ ches Verbrechen oder welchen Unfall der junge Neger das Leben verlor. London. Der Dominikanerpater Mathew ſezt ſein frommes und men— ſchenfreundliches Werk fort, den Mäßig—⸗ keitsbund in Irland mehr und mehr aus zubreiten, wenn auch der Marquis von Londonderry— derſelbe, der die „empfindſame Reiſe“ durch Rußland ge⸗ ſchrieben— es für paſſend fand, das an ihn gerichtete Geſuch, auf ſeinem Gute eine Halle zu Verſammlungen des Mä— ßigkeitsvereines erbauen zu dürfen, zu rükzuweiſen, weil ſolche Verſammlun—
gen der Vorwand faͤe andere Zweke werden könnten. Man würde übrigens
irren, wenn man ſich Herrn Mathew
als eine mittelalterliche Geſtalt in lan⸗
gem Barte und hörenem Gewande vor—
ſtellen wollte. Herr Mathew— wenn
anders die in den Londoner Bilderlä—
den aushängenden Porträte de ſelben
treu ſind— iſt ein feiner junger Mann
mit edlem Profil, der einen modernen
runden Hut, einen Rok von guten
Schnitte u. gewichſte Steifſtiefeln trägt.
Vor ihm kniet, auf dem Bilde nämlich, O' Connell und empfängt die Mäßig⸗
keitsmedaille. Daſſelbe geſchieht von Seite mehrerer elezanten Damen. Dieſe
Theilnahme des ſchönen Geſchlechts an
dem Mäßigkeitsgelübde iſt, in Irland
und in England, leider keine über flüf⸗ ſige Förmlichkeit. Wer in der Abend— dämmerung durch die Straßen von Lon— don ſchlendert, kann nur allzu oft von
jungen weiblichen Lippen die Einladung
hören:„Laßt mir wenigſtens ein Glas Gin einſchenken, Sir!“ Auch mancher Faſhionable verſchmäht nicht„brandy and water.“
München. Als Zeichen der be— ſondern Gnade und des Wohlwollens des Allmächtigen an dem erhebenden, rührenden u. religiöſen Schauspiel der Darſtellungen der heiligen Paſſton im Oberammergau wird in Münchener Blät— tern angeführt, daß, wenn auch an dem Tage, wo ſolche ſtattfanden, der Regen ſich ſtromweiſe ergoß, das Wetter ſich
immer noch zu rechter Zeit aufheiterte, um die Aktion ungeſtört vor ſich, gehen zu laſſen.
Bladen. Hier iſt eine Wunderdok— torin aufgetreten. Es iſt eine 85⸗jähri— ge Frau, welche alle Gebrechen heilt, ohne ſie nur einmal anzuſehen. Vor⸗ nehme und Geringe eilen zu ihr, und ſelbſt ein Arzt hat ihre Hilfe angeſpro⸗ chen. Sie ſoll täglich 100 Thaler ein⸗ nehmen.
Redigirt von der Redaktion des Spiegels.


