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Un das Luſtſplel:„Laßt die Todten ruhen“, und die Poſſe:„der Verſtor— bene“, und die Direktion des Königs— ſtädtſchen Theaters hat ſich wegen eines Prologs zum Huldigungstage an Ne— ſtroy(dem bekannten Verfaſſer von Wie⸗ ner Lokalpoſſen) in Wien gewendet.
London. Die Safſon der italie— niſchen Oper in London iſt beendet; die Sänger wollen jezt Reiſen in die ver— ſchiedenen Städte Englands unterneh⸗ men, und dort ſingen. Sie treffen in dieſer Beziehung Abrede mit Theater⸗ unternehmern, die ihnen eine beſtimmte Summe geben, dafür aber auch dos Recht erwerben, ſie in den Städtchen nöthigenfalls zwei Mal an einem Tage ſingen zu laſſen. Nubini, Mad. Per⸗ ſiani, Tamburini, Dem. Griſi u. ihre Kouſine, Erneſta Griſt, beuten auf die⸗ ſe Weiſe den Kunſtenthuſiasmus der Britten aus. Ihrem Beiſpiele folgen auch franzöſiſche Künſtler; Dem. de Wor— ny, die gleichfalls zulezt bei der italie⸗ niſchen Oper in London thätig war u. einige Aufmerkſamkeit durch ihr Talent erregte, das ſich noch ſchön entfalten kann, will mit einer andern Sängerin, Dem. Vaſſano und dem Baſſiſten Parey England, durchreiſen, und ſie hat mit einem franzöſiſchen Impreſſario des fall ſige Verträge abgeſchloſſen. Parey ver— ſteht die Kunſt der Nachahmung in ſehr hohem Grade: er kopirt Spiel u. Ge— ſang Lablache's, Tamburinis und der älteren Griſt auf die täuſchendſte Weiſe.
KHlignon-Zeitung.
Potpourri aus Paris. Vor einigen Tagen ſpazirte ein zerlumpter Menſch durch eines der reichſten Viertel von Varie. Sei es, daß ihn der Glanz dieſer Umgebung blendete, oder beſtürm⸗ ten ihn bittere Erinnerungen— der arme Teufel ſchlich mit geſenktem Kopfe
einher. Bald jedoch ſchlen der Hunger ſeine Schaam zu beſiegen, denn nach oftmaligem Stillſtehen näherte er ſich einem der glänzendſten Bijouterieläden, und bat auf der Schwelle dieſer Woh⸗ nung des RNeichthums mit demüt hig hin⸗ gehaltener Hand um ein Almoſen. Sei⸗ ne Bitte war nicht vergebens, u. ſchon näherte ſich der Herr des Ladens, ihm einige kleine Münzen zu geben, als zwei Stadt⸗Sergeanten des Weges ka⸗ men, und dem Bettler befahl en, ihnen zu folgen. Der Kaufmann konnte ſich nicht enthalten, den Armen zu bekla—⸗ gen, und blieb ohne weitere Urſache an der Thüre ſtehen. Einer der Beamten fragte den Vettler um ſeinen Namen, welcher mit einer von Verzweiflung und Schaam erſtikter Stimme antwortete: „Ich heiße Jerome Pertuis.“ Kaum hörte der Vijouteriehändler dieſen Na— men, ſo wandte er ſich an die beiden Sergeanten, indem er ſie bat, ihm die— ſen Menſchen anzuvertrauen, er wolle mit ſeinem Vermögen für ihn bürgen; alsdann führte er ihn in eine Hinter— ſtube ſeines Ladens, ließ bei einem be⸗ nachbarten Schneider Kleidungsſtüke für ihn holen, ſpeiſte mit ihm zu Mittag, führte ihn darauf in den Magazinen um her, und ließ ihn ſeinen Reichthum be⸗ wundern.— Der arme Menſch glaubte zu träumen, aber einen ſehr angeneh⸗ men Traum, und fürchtete nur das Er— wachen. Sein Wohlthäter bat, ihm zu ſagen, wie er in dieſen erbärmlichen Zuſtand gekommen ſei, worauf Jerome Pertuis erzählte: Als er vor ungefähr zehn Jahren auf dem Punkte geweſen ſei, nach England zu reiſen, habe er ſeine Brieftaſche mit 150,000 Franken verloren, welcher Verluſt ihn in's Elend geſtürzt hätte.— Am andern Morgen verkündigte ein Handelsblatt:„Das Bijouterie-Geſchäft A. hat ſeine Firma geändert, und zeichnet von heute an: A... und Jerome Pertuis.“—


