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fallen, und mir unter andern vorzuwer— ſen, daß ich mit weit von mir geſtrek— ten Beinen im Schauſpielhauſe ſize. Wer die Novelle:„der Vall zu Tu⸗ nis“ in der Leipziger Mode-Zeitung ge⸗ leſen hat, weiß wie viel Verdienſt der mit der dramatiſchen Literatur befliſſe— ne Dilettant um die Sache ſelbſt, und um den darin herrſchenden Styl hat, zu welchem mir ſehr zu gratuliren wä— re, wenn ich 20 Zeilen in demſelben ſchreiben könnte. Gehören ähnliche ganz neue Aus drüke, wie:„man muß das Eiſen ſchmieden, ſo lange es noch warm iſt“, auch zu dem brillanten, der Bil— dung der Zeit entſprechenden Styl? No, No! Hr. N—o, No, ſtolpern Sie nur nicht über meine ausgeſtrekten Beine, Sie könnten auf den Kopf fal— len und Schaden nehmen! S. Paris. Mayerbeer hatte beim „Robert“ die Koſten der mise-en-scène aus eigenen Mitteln beſtritten, da die Direktion ſich weigerte, ſo viel an das Werk eines noch unbekannten Komponi— ſten zu wagen. Später murde er für die aufgewandten Summen entſchädigt. Bei den„Hugenotten“ übenahm jedoch die Direktion die Ausſtattung unwei— gerlich ſogleich auf ihre Rechnung, ſoll aber dabei nicht ſo gut herausgekommen ſein, da Meyerbeer ungeheure Ausgaben erheiſchte. Aus dieſenm Grunde wurde dem Komponiſten, als er ſein jüngſtes Werk einreichte, wieder der Vorſchlag wie beim Robert, gemacht, worauf er aber nicht eingehen wollte, und es vor— zog, ſein Werk lieber gar nicht, als unter ſolchen Bedingungen in Paris ge— ben zu laſſen. Nun iſt Leon Pillet, der gegenwärtige Direktor der großen Oper, zu dem ſchmollenden Künſtler nach Ems gereiſt, um Unterhandlungen mit ihm anzuknüpfen, die, wie die Pariſer ſich ſchmeicheln, ihnen den Genuß der Auf⸗
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führung eines neuen Meiſterwerkes ver bürgen, und den Direktor aus einer momentanen, bedrohlichen Finanzlage zu reißen verſprechen. Meyerbeer und ſein Werk— ſo heißt es— werden nächſtens in Paris erwartet. Uebrigens war die Bouderie des Tonſezers nicht ſo ernſt gemeint, er kann von Paris nicht laſſen, und wo wollte er auch bei andern erbärmlichen Theaterverfaſ— ſungen wohl hin mit einem neuen, groß⸗ artigen Werke?— Dahin iſt eine frũ⸗ here Angabe einer Zeitſchrift zu be⸗ richtigen.
Mlignon-Zeitung.
Paris. Der in Paris bekannte de Foy, der ein autoriſirtes Verheira— thungsbureau hält, ſoll auch jene un— glükſelige Verbindung zwiſchen Marie Cappelle und Herrn Lafarge zu Wege gebracht haben, und zwar unter Ver—⸗ heimlichung des ſchuldbelaſteten Vermö— genszuſtandes des Lezteren und unter zu großer Anpreiſung der Annehmlich— keiten ſeines gewöhnlichen Wohnortes. Dies kam jezt bei Gelegenheit des Kri— minialprozeſſes zur Sprache, und der Heirathsprokurator ſieht ſich genöthigt, die Feder zu ergreifen, und ſeine Ver— theidigung öffentlich zu führen.
Mannheim. Der„Deutſche Po⸗ ſtillon!“ ſagt:„Wer Ohren hat, der höre! Die Preiſe auf der Taunuseiſen⸗ bahn ſind und bleiben vor der Hand in der Art angeſezt, daß ſie die auf den vortrefflichen belgiſchen Eiſenbahnen um das Dreifache(11) überſteigen. Der Unterſchied zwiſchen irgend einer belgi⸗ ſchen Bahn und der des Taunus iſt nun der, auf einer belgiſchen Bahn fährt man für 18 kr. dreimal ſchneller und auf der Taunus bahn für 54 kr. drei⸗ mal länger.“
Redigirt von der Re
daktion des Spiegels.


