Jahrgang 
1840
Seite
83
 
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groͤßern Berükſichtigung angemeſſen hal⸗ ten. Neſtroy's feine ironiſche Schärfe beſtzt Herr Grois jedoch noch lange nicht, dieſe iſt indeſſen ein Reſultat der Gewandtheit in ſolchen Rollen, die Ne ſtroy ſchon ſeit Jahren ſpielt u. worin eben ſeine eigenthümliche Auffaſſungs⸗ weiſe glänzt. Im Joſephſtädter Thea ter belebt Hr. Kunſt noch fortwährend die Schaupläze. Ohne Ausnahme hat er faſt jede Woche eine Einnahme u. kaum glaubt man ſeine Abſchiedsgaſtdarſtel lung geſehen, oder ſeinen lezten Dank rührungsvoll vernommen zu haben, ſo erblikt man doch am andern Morgen wieder ſeinen Namen mit vierſtokhohen Lettern am Zettel und der Theaterre ferent gibt ſich der ſüßen Hoffnung hin, den bewunderten Beurtheilten neuer dings verwundert beurtheilen zu dür fen. Jedoch beſizt Hr. Kunſt die für Direktion ſo angenehme Eigenthümlich keit volle Häuſer zu machen und den ſtürmiſchſten Applaus für eigenes Ver⸗ dienſt in Anregung zu bringen; er fin⸗ det in der Joſephſtadt gewiß ein em pfänglicheres Publikum als irgendwo, denn es vergeht ſelten ein Abend, wo nicht das donnernde:Außa Kunſt! mit Kraft und Majeſtät von den hen niederdröhnt. Die lezte Novität, in welcher der berühmte Ruf erſcholl, war Vogel'sGewiſſensfolter. Der geſchäzte Gaſt ſpielte darin einen Obri ſten, aus deſſen Munde beſtändig ein Donnerwetter! oderKroaten und Panduren! als zeitgemäße Kernſprüche poltern. Darob natürlich großer Gal leriejubel. Das Schauſpiel ſelbſt ent⸗ hält recht effektvolle Szenen, die Ge⸗ wißensfolter aber iſt ſo undeutlich durch Somnambulismus wie beim Da niel im Erbvertrag und gerade an jenem Theile, der nur die Gedanken ſchuld aller Verbrechen tragt, ausge⸗ ſprochen, daß ſie kaum vor dem pfycho⸗ logiſchen Nichter ſich zu rechtfertigen

vermag. Nichtsdeſtoweniger wurde das Rühr und Leidſpiel ehrenvoll aufge nommen, die trefflichen Darſteller ap plaudirt und wieder einige Male geru fen. Wollte ſich die Kritik an derlei Beifallsäußerungen halten, ſo läſen wir binnen wenig Monden vielleicht: Wie genial Hr. N. N. die Tiſche u. Stühle aufgefaßt, mit welcher Präzi⸗ ſion und freier Halt ung er ſie geſtellt, und gerükt habe, rechtfertigte lebhafter Applaus und Hervorruf, auch der gallſüchtigſte Kritiker wird ihm die glänzende Befähigung für dieſes Me s⸗ bel fach nicht abſprechen können. Senn. Naa b. Mad. Luftmann, die be bekannte Athletin, gab hier drei Vor ſtellungen, konnte aber, troz ihrer Kraft, keine Leute in das Theater ziehen. Auf der hieſigen Bühne ſahen wir wie der:Der Gallego von Liſſabon, eine ſchrektiche Komödie, dieDienſtbot hen wirthſchaft, die recht ſehr, und den Pelzpalatin, der etwas weniger ge⸗ fiel. Danndie Jugendfreundin Ca⸗ moens,die Leibrente de. Hr. Her⸗ wegh, vom Theater an der Wien, ga ſtirte zweimal und gefiel allgemein; ei⸗ ne ſchöne Figur, gutes Memoriren, zeich nen dieſen routinirten Schauſpieler be ſonders aus. Wie ich höre, ſoll Herr H. bereits engagirt ſein; das Publi⸗ kum und die Direktion würden durch dieſe Acquiſition ſehr gewinnen. Eine Dem. Reger gaſtirt auch: ſie iſt etwas zu groß und hält ſich vorwärts, auch iſt ſie mit ihren Handbewegungen noch nicht im Reinen. Um einen aufkei⸗ menden Talente Gerechtigkeit widerfab⸗ ren zu laſſen, die Ehre des weltberühm⸗ ten Stükes:der Ball zu Tunis zu retten, einen zu Boden Geworfenen aufzuhelfen, u. zweiAbgeſtochene vom Tode zu retten, hat es einem Herrn No. beliebt, in einer der lezten Num⸗ mern des Tageblattes über mich herzu⸗