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Kleider-Luxus der dienenden Klaſſen ein— zuſchränken, iſt nicht mehr abzuwehren, ohne geradehin die Laſter zu begünſtigen.
Konſtantinopel. Die Türken treten alſo doch am Ende noch der eu— ropäiſchen Civiliſation und Intelligenz bei. Wenigſtens fangen ſie ſchon an zu erfinden, was ſeit dem Propheten Mu— hamed ſehr ſelten vorgekommen iſt. Emin Paſcha, Brigade-General in der Türkei, hat ein Büchlein geſchrieben, welches die Mittel angibt, wodurch man Con— greviſche Raketen mit mathematiſcher Genauigkeit richten kann. Der Brigade— General hat aber freilich ſeine Weisheit nicht im halben Monde geſammelt, ſon⸗ dern in Frankreich und England, wo er ſich zu ſeiner Ausbildung mehrere Jahre aufhielt. Durch dieſe Erfindung werden die Congreviſchen Naketen zu— gleich Rettungsraketen, durch welche man gefährdeten Schiffen Taue zuſchie— ßen kann.
München. Man erzählt ſich hier fol gendes Abent heuer:„Ein junger Menſch, der wegen Diebſtahl bereits ver⸗ urtheilt war, und vom Lande herein nach dem Strafarbeitshaus bei München transportirt werden ſollte, entwich auf der Nachtſtation aus dem Arreſtlokale in Mehring. Er war wohlgekleidet und wußte ſo weit zu gelangen, daß er Mor— gens auf der Eiſenbahn nach München fuhr, von wo er ſich in der Vorſtadt Au als Gefangener im Strafarbeits haus meldete.“— Bei einer Separatkaſſe im hieſigen königl. Kreis- und Stadtge— richte wurde ein bedeutendes Oefizit ver— übt. Der Thäter, ein Funk tionär, Na⸗ mens De, welcher flüchtig geworden war, entſprang, als man ihn geſtern Mor⸗ gens arretirt nach der Stadt führte, in einen vorbeifließenden Kanal der Iſar, wurde aber noch lebend herausgezogen, nachdem er es auch noch vorher verſucht
hatte, ſich mittelſt einiger Meſſerſchnitte zu entleiben. Er ſizt nun in der Haft des Gerichts.
Brüſſel. Hier ein merkwürdiges und außerordentliches Beiſpiel von den Dienſten, welche gegenwärtig die reiſen— den Tauben leiſten: Der„Avondbode““ vom 17. v. M. theilte zu Amſterdam vor den Pariſer Blättern(mit Aus⸗ nahme des„Moniteur“) die tel egraphi— ſche Depeſche mit, welche die Abfahrt der durch den Admiral de Noſamel be⸗ fehligten Veobachtungs-Escader melde— te; da nun der holländiſche Kourier zu Brüſſel vor der Poſt⸗Staffette von Pa⸗ ris ankommt, ſo konnte man zu Brüſ⸗ ſel dieſe Nachricht früher in dem hol⸗ ländiſchen Blatte als in den Pariſer Blättern leſen. N
Berlin. Einer unſerer genial ſten Maler, der akademiſche Lehrer u. Vro— feſſor Blechen, iſt hier im Wahn ſinn geſtorben. Seine Kunſtgebilde waren in merkwürdiger Weiſe grell phantaſtiſch. Ein bloßer Baum im Winter, vor dem einen fror, ein Mönch, der im Schre⸗ ken eine Lampe fallen läßt, ſo daß man mit ihm erſchrikt, ein Kirchhof, auf welchem die Gräber einſtürzen, ſo daß man mit ihnen einzuſinken wähnt, eine brennende ſizilianiſche Sommerlandſchaft, bei deren Anblik man das Gefühl der allgemeinen Dürre, des lechzenden Dur—⸗ ſtes empfindet u. ſ. w. Man mag dieſe Schilderung übertrieben finden, indeß iſt es wenigſtens für Kunſtverſtändige nicht. Nie hat man hier noch ſo aus— druksvolle, phantaſtereiche Bilder geſe— hen, aber eben in dieſer bis zum Wahn— ſinn geſteigerten Phantaſie ging auch der große Künſtler unter.
Athen. Unſere Univerſität erfreuet ſich des beſten Gedeihens, die theologiſche Fakultät zählt jezt ſchon 10 Zuhörer, die juridiſche 137, die mediziniſche 30, die philoſophiſche 555 zuſammen 232 Zuhörer.
Redigirt von der Redaktion des Spiegels.


