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wurde das Publikum etwas getäuſcht, da die Feuerkränze metamorphoſiſch in ein egyptiſches Dunkel verwandelt wur— den und einem nichts weiter übrig blieb, als, ſo gut wie möglich, beim Rük zug bis zur Brüke in Schmuz und Staub zu waten.— Die franzöſiſche Kunſtrei— tergeſellſchaft des Herrn Dumos gibt hierorts ſeit mehreren Tagen Produk— tionen ſeltener Art. Eine Dlle. Hinne (Adelheid), ein ſchönes, reizendes We— ſen, zeichnet ſich durch vielfältige gra— ziöſe Tänze, Stellungen und Evolu⸗ tionen vorzüglich aus und gefällt ſehr. Hr. und Mad. Dumos ſind gewandte Künſtler und zählen in ihrer Geſell— ſchaft routinirte Individuen. Hr. Du⸗ mos hat 20 ſchöne u. vollkommen dreſ— ſirte Pferde und ein Perſonale ausge⸗ zeichneter Individuen bei 30 an der Zahl. Das Koſtüme iſt geſchmakvoll und brillant. Dieſer Cirkus wird ſehr zahl—
reich beſucht und die Geſellſchaft mit
reichlichem Applaus überhäuft. Von hier begibt ſich dieſelbe nach Peſth und ſo— dann nach Konſtantinopel. Eine günſtige Aufnahme kann ihr überall prognoſticirt werden.— Die Preßburg⸗Tirnauer Ei⸗ ſenbahn, worauf die Streke bis St. Georgen ſchon dies Monat hätte befah⸗ ren werden ſollen, wird heuer entweder gar nicht oder ſehr ſpät befahrbar wer— den; deſſenungeachtet iſt der Fleiß an der Vauführung nicht zu verkennen. As.
Literatur.
Literariſches Portfolio. „Tyll Eulenſpiegel“, dieſer alte Scha⸗ bernak wird nicht vergeſſen. Wir haben ihn in urſprünglicher Naivetät als Volks— buch aufgefriſcht, dann als dramatiſche Poſſe und endlich auch als eine moderne Art ariſtophaniſcher Komödie, welche die ganze Welt der Gegenwart umkehrt u. auslacht. Sie iſt von Friedrich Nade—
well, dem Dr. Friedrich, der eine Zeit⸗
lang in Berlin lebte und jezt in Paris genialiſirt. Geiſt und Wiz und obſköner Wiz iſt genug darin, aber wir zweifeln daran, daß ſich eine ſo alte, feſte Fi— gur, wie der Volksmann Eulenſpiegel, moderniſiren und zum Mittelpunkte un— ſerer ſozialen, religiöſen und literari— ſchen Intereſſen kultiviren läßt. Inſo— fern iſt die dramatiſche Satyre verfehlt. Auch Roſenkranz hat unter dem Titel: „das Centrum der Spekulation“, ein phil oſophiſch-ſatyriſches Drama geſchrie— ben. Warum ſchreiben die Helden der Feder keine Bühnenſtüke? Die Schran— ken der Bühne ſind für ein wahrhaftes Genie keine Schranken, es benuzt ſie als beigegebene Stoffe. Solche unauf— führbare, weder volkswizige noch ge— lehrte Vaſtardſchriftchen blättert man einmal durch und ſieht ſie nie wieder an.
Mignon-Zeitung.
Berlin. Der„Frauen-Sitten⸗ verein“, der durch die Stifterin, Frau Thereſe Borſche in Berlin, zuerſt im „Geſellſchafter“ proklamirt wurde, iſt wirklich in's Leben getreten und hält ſeit Mai d. J. Verſammlungen. Sein Zwek iſt bekanntlich, der überhand neh— menden Puz⸗ und Modeſucht zu ſteuern, und vor Allem bei den dienenden Klaſ— ſen. Hier liegt auch in Wahrheit das Uebel ſo im Argen, daß man erſchrekt, wenn man von tüchtigen Hausfrauen Züge der Frechheit hört, wie ſie in der Puzſucht bei Mädchen vorkommen. Mit dieſer Kultur der Eitelkeit und des Be— gehrens ſind allen Verführungen und vielen Verbrechen Thür und Thor ge— öffnet.— Jener Verein zählt an ſie— benzig Mitglieder; ob er jezt ſchon ge⸗ hörig eingreifen kann? Wir zweifeln; aber wenn zu gutem Beiſpiel die Aus⸗ dauer hinzutritt, werden auch die ein⸗ flußreicheren Hilfsmitteln ſich finden: denn die Nothwendigkeit, fürerſt den


