67
7. Juni d. J. erfolgten Tod des Kö⸗ nigs Wilhelm III. v. Preußen angemerkt u. ſ. w.— Die äußere Ausſtattung läßt keinen Wunſch zurük. Milchweißes, haltbares Papier, ſchöner, deutlicher Druk, rein geſtochene und ſorgfältig il— luminirte Charten werden gewiß das ſchöne Werk noch ganz beſonders empfeh⸗ len. R. Literariſches Portfolio. In Frankreich iſt kürzlich einem bekann⸗ ten Kritiker, Herrn Guſtav Planche, nachgewieſen worden, daß gerade dieje— nigen ſeiner kritiſchen Artikel, durch die er ſich zuerſt einen Namen erworben, nichts weiter als Plagiate ſeien. In der „Revue des deux Mondes“ hatte näm⸗ lich Hr. Planche eine Reihe von Skiz— zen berühmter engliſcher Schriftſteller, namentlich Fielding's, Maturin's u. Mackenzie's mitgetheilt. Gegen⸗ wärtig beweiſt nun Hr. A. Michiels, daß dieſe Skizzen, für welche die Re⸗ daktion der„Revue des deux Mondes“ ſchweres Honorar bezahlt hatte und die vom Publikum als Dokumente einer ſcharfſinnigen Kritik aufgenommen wor— den waren, beinahe wörtliche Ueberſe— zungen von Walter Scott's„Leben berühmter Novelliſten“ ſeien, welchen Lezteren jedoch als Autor zu nennen Hr. Planche wohlweislich unterlaſſen hat, da jene„Revue“, dann die„lite⸗ rariſchen Porträts“ nicht aufgenommen und noch viel weniger ſo gut honorirt hätte. Die Unverſchämtheit des Plagia— rius iſt aber um ſo größer, als es auch eine recht gute, von Devauconpret ver— anſtaltete franzöſiſche Ueberſezung jener Arbeit Walter Scott's gibt, und Hr. Planche alſo um ſo mehr zu riskiren hatte, daß ſein Eskamotirungstalent ſehr bald an das Licht kommen werde. — Seit Anfang dieſes Jahres erſcheint in St. Petersburg eine Monatsſchrift unter dem pompöſen Titel:„Leucht⸗ thurm für Aufklärung und Bildung
der Zeit.“ Iſt das nicht grandiös“ Die Herausgeber heißen P. Korſakow und S. Vuratſchek, welcher Leztere in ei— nem der erſten Hefte„Umriſſe über die Schiffbaukunſt“ lieferte. Ob dadurch der Leuchtthurm beſonderes Licht erhalten hat, läßt ſich bezweifeln. Auf jeden Fall iſt aber dieſe Zeitſchrift eine der bedeu— tendſten Rußlands, durch ihren Titel wenigſtens. Uebrigens leuchtet das Licht dieſes Leuchtthurms ſo ſpärlich, daß man drei Schritt davor noch nicht die Hand vor den Augen ſieht, was allerdings gewiſſermaßen ein kleiner Beweis von der Beſcheidenheit dieſes Lichtes ſein dürfte. Doch die Abſicht iſt löblich!— Da die Lumperek alle Tage zunimmt, wird auch das Papier, welches in Lum⸗ pen und Hadern ſeinen Vater verehrt, tagtäglich wohlfeiler, zumal nun, da Bouchet in Paris die Erfindung des Engländers Cobbet im Großen treibt. Der erfand nämlich, aus Maieſpelzen Papier zu machen. Vouchet hat jezt ſechs Maſchinen im Gange, welche in einem Tage 10,000 Pfund Maisſpelzen⸗ Papier liefern, ſo daß auch das Lum—⸗ pen⸗Vapier dadurch um zehn Prozente wohlfeiler wird. Das iſt ein großer Troſt für die Lumpaci-Papier-Vagabun⸗ den!— Jüngſt machte durch ſo und ſo viele Zeitſchriften die Notiz ihre Run⸗ de, daß Shakeſpeare's Name ſo und ſo viel Mal anders geſchrieben vorkomme; jezt erfahren wir wieder— aus den Adreßbüchern— daß es in den ver⸗ ſchiedenen Städten ſo und ſo viele Schil— ler, Goethe, Herder de. gebe. Werden wir nicht vielleicht auch nächſtens erfah— ren, wie viel Schok Federn, wie viel Oxhoft Tinte dieſe Herren verſchrieben haben 2— Es iſt in der That außeror⸗ dentlich, wie groß die Deutſchen in dergleichen Kleinigkeiten ſind!— Ein ſpekulativer Kopf, wir wiſſen nicht, ob er einem Buchhändler angehört, ſoll auf den Einfall gekommen ſein, eine


