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wird daher— ungeheuer fad u. lang- weilig. Ich ſehe ſie nicht ungerne dieſe Rezenſentenfutter-Spektakelkomödien, aber ich will doch wenigſtens für zwei „jute Iroſchen“ Sinn haben— ſonſt bleibe ich lieber gemächlich bei einem Glas Arena-Vier und einer Portion Arena-Salami ſizen, die mir viel mehr Kunſtgenuß bieten. Der wakere Benefi— ziant, der ſeine Rollen recht effektvoll zu geſtalten weiß, hätte eine beſſere Wahl treffen können.— Der Komiker Seydl trug, ein kühner Atlas, das ganze Machwerk auf ſeinen Schultern.— Der blaſfe Siegfried war eine wahre Jam— mergeſtalt— und für Junker Berthold wäre es ein Glük geweſen, wenn er zu— gleich mit Junker Philipp erſtochen wor— den wäre; Fräulein Elsbeth entwikelte ein bedeutendes Talent im— Haar— flechten. Der Waſſerfall ſpielte ſeine Rolle ſehr natürlich.— Am meiſten ge— ſielen die Marſch-Evolutionen am Schluſſe d la Fenzl, ſo daß die Geſchichte erſt dann intereſſant wurde, als ſie zu Ende war, und ſomit: Ende gut— Alles gut— auch die Einnahme war gut, und
darum:„keene Feendſchaft, Bruder Wilhelm!““ Semper idem. Nteratur.
Literariſches Portfolio. Ei⸗ ner unſerer geiſtreichſten und geachtete— ſten Schriftſteller, Heinrich König(jezt in Fulda), Verfaſſer der„hohen Braut“, „Williams Dichten und Trachten“ ge, gab vor etwa drei Jahren„literariſche Bilder aus Rußland“ heraus, die in Deutſchland allgemeinen Beifall fanden, und über deren Erſcheinung die intelli— genten Leute in Rußland, namentlich ſehr hochgeſtellte, unverholen ihre Freude an den Tag legten. Nun tritt nach Ab— lauf von drei Jahren einer der in je⸗ nem Buche getadelten Schriftſteller, der Staatsrath Gretſch, ein übrigens als
Gelehrter ſehr unbedeutendes Indivi— duum, mit einer Schmähſchrift gegen König auf, und behauptet die abge— ſchmakteſten Säze. König hat ihn bereits in einer eigenen Flugſchrift nach Gebühr abgefertigt. Damit unſere Leſer ſich überzeugen, wie der ruſſiſche Staats— rath über deutſche Literatur urtheilt, heben wir aus ſeinem„Libell““ folgende Stelle aus:„Die Deutſchen““, ſagt Gretſch,„lieben überhaupt in ihren Büchern etwas Bunt-Grauſes, Meta— phern, Allegorien, Andeutungen, Ci— tate. Es iſt unausſtehlich für den, der an ihren Gedankengang nicht gewöhnt iſt. Fügt noch ihre ſogenannten Wize hinzu, und ihr werdet die für den Ge— ſchmak ſo bizarren Schüſſeln bekommen, mit denen die Deutſchen ſich regaliren, und die jedem Andern, der mit geſunder Nahrung auferzogen iſt, unerträglich und widerlich ſind. Ich kenne die deut— ſche Sprache gründlich, und leſe Schil— ler, Goethe, Wieland, Klopſtock, ohne anzuſtoßen; aber viele von den gerühm— ten u. beliebten Schriftſtellern Deutſch— lands verſtehe ich gar nicht. Solche ſind Aug. v. Thümmel und Jean Paul. Ich habe mich einmal gezwungen, Thüm— mel's„Reiſe in das ſüdliche Frankreich“ zu leſen, verſchlukte mit Mühe zwei Bände, aber weiter wollte es nicht ge— hen. Ich machte mich mehrere Mal an Jean Paul: dunkel, unverſtändlich, überſpannt, unnatürlich, abgeſchmakt. Man kann ſeine Bücher mit Kehricht— haufen vergleichen, worin unverſehens auch Koſtbarkeiten ſich finden; aber in einem Miſthaufen wühlen, um vielleicht ein goldnes Ringelchen zu finden, bin ich nicht im Stande. Ich gehe lieber in einen Laden und kauſe mir ein neues. Wiſſen Sie, was mir am meiſten iu Jean Paul gefallen? Proben aus ſeinen Werken, in's Franzöſiſche überſezt, und ungefähr vor drei Jahren in der Revue des deux mondes abgedrukt.— Scha⸗


