Jahrgang 
1840
Seite
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wird daher ungeheuer fad u. lang- weilig. Ich ſehe ſie nicht ungerne dieſe Rezenſentenfutter-Spektakelkomödien, aber ich will doch wenigſtens für zwei jute Iroſchen Sinn haben ſonſt bleibe ich lieber gemächlich bei einem Glas Arena-Vier und einer Portion Arena-Salami ſizen, die mir viel mehr Kunſtgenuß bieten. Der wakere Benefi ziant, der ſeine Rollen recht effektvoll zu geſtalten weiß, hätte eine beſſere Wahl treffen können. Der Komiker Seydl trug, ein kühner Atlas, das ganze Machwerk auf ſeinen Schultern. Der blaſfe Siegfried war eine wahre Jam mergeſtalt und für Junker Berthold wäre es ein Glük geweſen, wenn er zu gleich mit Junker Philipp erſtochen wor den wäre; Fräulein Elsbeth entwikelte ein bedeutendes Talent im Haar flechten. Der Waſſerfall ſpielte ſeine Rolle ſehr natürlich. Am meiſten ge ſielen die Marſch-Evolutionen am Schluſſe d la Fenzl, ſo daß die Geſchichte erſt dann intereſſant wurde, als ſie zu Ende war, und ſomit: Ende gut Alles gut auch die Einnahme war gut, und

darum:keene Feendſchaft, Bruder Wilhelm! Semper idem. Nteratur.

Literariſches Portfolio. Ei⸗ ner unſerer geiſtreichſten und geachtete ſten Schriftſteller, Heinrich König(jezt in Fulda), Verfaſſer derhohen Braut, Williams Dichten und Trachten ge, gab vor etwa drei Jahrenliterariſche Bilder aus Rußland heraus, die in Deutſchland allgemeinen Beifall fanden, und über deren Erſcheinung die intelli genten Leute in Rußland, namentlich ſehr hochgeſtellte, unverholen ihre Freude an den Tag legten. Nun tritt nach Ab lauf von drei Jahren einer der in je⸗ nem Buche getadelten Schriftſteller, der Staatsrath Gretſch, ein übrigens als

Gelehrter ſehr unbedeutendes Indivi duum, mit einer Schmähſchrift gegen König auf, und behauptet die abge ſchmakteſten Säze. König hat ihn bereits in einer eigenen Flugſchrift nach Gebühr abgefertigt. Damit unſere Leſer ſich überzeugen, wie der ruſſiſche Staats rath über deutſche Literatur urtheilt, heben wir aus ſeinemLibell folgende Stelle aus:Die Deutſchen, ſagt Gretſch,lieben überhaupt in ihren Büchern etwas Bunt-Grauſes, Meta phern, Allegorien, Andeutungen, Ci tate. Es iſt unausſtehlich für den, der an ihren Gedankengang nicht gewöhnt iſt. Fügt noch ihre ſogenannten Wize hinzu, und ihr werdet die für den Ge ſchmak ſo bizarren Schüſſeln bekommen, mit denen die Deutſchen ſich regaliren, und die jedem Andern, der mit geſunder Nahrung auferzogen iſt, unerträglich und widerlich ſind. Ich kenne die deut ſche Sprache gründlich, und leſe Schil ler, Goethe, Wieland, Klopſtock, ohne anzuſtoßen; aber viele von den gerühm ten u. beliebten Schriftſtellern Deutſch lands verſtehe ich gar nicht. Solche ſind Aug. v. Thümmel und Jean Paul. Ich habe mich einmal gezwungen, Thüm mel'sReiſe in das ſüdliche Frankreich zu leſen, verſchlukte mit Mühe zwei Bände, aber weiter wollte es nicht ge hen. Ich machte mich mehrere Mal an Jean Paul: dunkel, unverſtändlich, überſpannt, unnatürlich, abgeſchmakt. Man kann ſeine Bücher mit Kehricht haufen vergleichen, worin unverſehens auch Koſtbarkeiten ſich finden; aber in einem Miſthaufen wühlen, um vielleicht ein goldnes Ringelchen zu finden, bin ich nicht im Stande. Ich gehe lieber in einen Laden und kauſe mir ein neues. Wiſſen Sie, was mir am meiſten iu Jean Paul gefallen? Proben aus ſeinen Werken, in's Franzöſiſche überſezt, und ungefähr vor drei Jahren in der Revue des deux mondes abgedrukt. Scha⸗