Jahrgang 
1840
Seite
55
 
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noch zu denen, welchen ein großes, be rübmtes Zukunftslos bis jezt nur mit ſehr getheilten Stimmen prognoſtizirt werden kann; für Sgra. Frezzolini thut ſich aber allſeitiger Enthuſtasmus kund und Viele erbliken in ihr eine Malibran in spe, wenn Schule u. Ue bung das Ihrige thun werden. Die Vorſtadtbühnen waren in ihren Vorſtel lungen neuer Produkte mehr regſam als glüklich. Das Theater an der Wien brachte Neſtroy'sErbſchleicher, der aber bei weitem nicht den Jubel und Beifall erregte, welcher ſeinen Vorgän gern zu Theil geworden; die dialogiſche Ausſtattung war wieder ſo geiſtvoll, raſch und wizſprühend, daß alle Vor würfe nur die Idee der Poſſe und ihre Dramatiſirung treffen können. Auch iſt die herrliche Aufführung derRäu ber zu erwähnen, die zum Beſten der Gänſerndorfer Abgebrannten, unter Mit wirkung der Herren Löwe, Laroche und Mad. Dahn vor ſich ging. Im Jo ſephſtädter Theater führte man ein Spek⸗ takelſtük:Schlachtenſturm und Ero⸗ berung, auf, worin ſich eine italie niſche Tänzergeſellſchaft, unter ihrem direttore Schier produzirte.Das Menſchenherz und ſein Dämon heißt die Ausgeburt einer Dichterfantaſie, welche durch dies Stük etwas Hochpoeti ſches, durch und durch Ergreifendes er faßt zu haben glaubte. Ja, das iſt es auch; poetiſch und ſehr ergreifend iſt die Schilderung des reinen, unverdorbenen Menſchenherzens im Kampfe mit der Leidenſchaft aber ſie darf nicht gar ſo platt und gemein, nicht ſo fabriksmäßig und von groben Allegorien wimmelnd, gearbeitet werden, wie es hier der Fall war. C. S-nn.

Muſik. London(im Mai.) Seit vielen Jahren hat kein Künſtler in London

eine ſo tiefe und allgemeine Senſation in der muſikaliſchen Welt hervorgebracht, wie der Violiniſt Molique aus Stutt⸗ gart. Sämmtliche Journale ſtimmen darin überein, daß, wie ſein Spiel jede Schönheit in ſich begreift, deren Künſt ler und Inſtrument vereint fähig ſind, auch ſeine Kompoſizionen auf gleicher Höhe mit ſeinem Spiele ſtehen.Hr. Molique, heißt es in demAthenäum, iſt unbezweifelt einer von jenen bewun dernswürdigen Künſtkern, deren Werke und Leiſtungen das Palladium bilden, in welchem die Tonk unſt ihre Kraft u. Friſche bewahrt; er darf ſtolz ſein auf die echte Popularität, welche er ſich in ſo kurzer Zeit in England erworben. Selbſt Ole Bull hat nach ihm nicht mehr den Eindruk gemacht, wie früher, und in dem Konzerte vom 14. Mai, in welchem auch Lißt mitwirkte, wurde Molique allein die ſeltene Auszeichnung zu Theil, mehrmals mit unbeſchreibli⸗ chem Enthuſiasmus gerufen zu werden. Der ehrenvollen Einladung, bei der Herzogin von Kent zu ſpielen, kann der wakere Künſtler für jezt keine Folge lei ſten, da derſelbe vor einigen Tagen an den Varioliden erkrankte.

Ateratur. 5

Literariſches Portfolio. Ei⸗ ne Dame bat die für ihr Geſchlecht doppelt mißliche Behandlung der My thologie unternommen und ein Buch ge⸗ ſchrieben:Mythologie der Griechen und Römer, nebſt einem Anhang über das ägyptiſche Mythenſyſtem, von Ti nette Homberg. Leipzig, bei Am⸗ broſius Barth. Der Stoff iſt ſo be⸗ handelt, daß ein Mädchen in der Pen⸗ ſionsanſtalt, oder eine Dame, die ſich unterrichten will, dies Buch in die Hand nehmen kann, welches ziemlich vollſtän dig und überhaupt für Laien und zum Nachſchlagen, wegen eines guten Regi⸗