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gewöhnliche Gelenkigkeit Staunen.— Dieſe Pantomimen verdie— nen wirklich alle Theilnahme und An— erkennung, gewiß verläßt kein Zuſchauer unbefriedigt das Haus. Semper idem.
Wien. Nachdem unſere Vorſtadt— theater in einer Reihe von Repertoir— novitäten ihre Leiſtungsfähigkeit an den Tag, oder eigentlich an den Abend ge— legt haben, iſt eine wochenlange Stille eingetreten, deren Idyllenleben die an— genehmſten Einladungen zum Korreſpon— diren bietet und ich glaube, das ſchönſte Mädchen Wiens hat im Mai, dieſem Wonne- und Nachtigallenmond, kaum ſo häufig nach Wonnewetter u. Früblings— erſcheinen geſeufzt, als ein genüg ſamer Berichterſtatter nach Korreſpondenzſtoff, d. h. Journaltratſch u. Novitätenplau— derei. Und Beides hat der Juni in fürſtlicher Freigebigkeit geſpendet: Früh⸗ lingswetter u. Journaltratſch. Die Pra— terfahrten werden an Wochentagen mit großer Eleganz und Frequenz von der haute volée der Reſidenz abgehalten, aller Orten gibt es Feſte, Välle, Reu— nionen; Strauß und Lanner ſind faſt eben ſo an der Tagesordnung, als im Karneval; ja ſelbſt— hört das große Wunder!— Stuwer's Feuerwerk wurde zur Sophientagsfeier ſchon 14 Tage post festum abgebrannt!— Auch die Theater blieben nicht zurük, hinter dem Streben der Natur, ſtets das Schönſte zu bieten. Im Hofburgtheater wurde „Ines de Caſtro“, von H. Wiesner, gegeben, und zwar als ein hiſtoriſch— dramatiſches Gedicht. Der Stoff, kahl und ſtreng geſchichtlich, wie er iſt, bie— tet wenig Vegeiſterung für den Dichter; wäre er idealer behandelt und mit in⸗ tereſſanteren Epiſoden durchflochten wor— den, hätte der günſtige Erfolg unmög— lich fehlen können.— Von Vauernfeld ging ein romantiſches Luſtſpiel über die Bühne:„die Geſchwiſter von Närn⸗
allgemeines
berg“ betitelt, mit ziemlichem Beifalle⸗ Dem Stoffe, der eine unter andern Ver— hältniſſen gewiß nicht durchaus originell erdachte Begebenheit erzählt, iſt mittel— alterliche Tracht und Sprachſtyl beige— legt worden; das ehrenfeſte, gerade Bür— gerleben und Stadttreiben des ſechzehn— ten Jahrhunderts bildet die Staffage dieſes Gemäldes, aus dem Hintergrunde blikt der maleriſche Schmuk unſerer Vor— ſtellungsweiſe jener Zeiten fein u. ſcharf hervor, und ſo wird die Bezeichnung: „romantiſch“, durch Rede u. Handlung vollkommen gerechtfertigt. Das Genre, worin das ganze Stük gehalten iſt, äh— nelt etwas jenem von„Weh' dem, der lügt.“— Die Gaſtſpiele des Dahn'ſchen Künſtlerpaares an dieſer Bühne ſind be— endigt; jezt gibt Dlle. Anſchütz, aus Dresden, mit Beifall Gaſtrollen, in de— nen ihr Hr. Rott nachfolgte.— Die ita— lieniſche Oper brachte raſch nacheinander die Benefizien ihrer Mitglieder; Neues hörten wir ziemlich wenig bei dieſer Ge— legenheit, da die meiſten dazu Arien— moſaiken und einzelne Szenen, worin ſie Force beſaßen, verwendeten.„Elena di Feltre“, von Mercadante, fand zahl— reichen Beifall, der jedoch eher den trefflichen Geſangsleiſtungen zuzuſchrei— ben iſt, als der Kompoſizion, die uns in manchen Stellen ſchon ſehr oft gehört dünkte.—„I cantatrici villa- ne“, eine alte Operette des Fioravanti, ganz außer dem jezt herrſchenden Style komponirt, machte überraſchendes Eclat; Sgra. Ungher ſingt darin mit vieler Bravour, obgleich Friſche und Schmelz der Stimme hier etwas ihre natürlichen Mängel verrathen. Endlich ſtellte ſich nach vielfacher Anhörung das Urtheil des Publikums, hinſichtlich unſerer drei erſten Sängerinen, feſt: die Ungher ver⸗ dient im hohen Grade die Bewunde— rung jedes Schäzers der echten italie— niſchen Schule; Sgra. Gabuſſi erhält reichliches Lob, indeſſen zählt man ſie
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