Jahrgang 
1840
Seite
53
 
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Mittwoch, 17. Juni.

1840.

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Theater.

Pe ſſt b.(Dlle. Lutzer's A b⸗ ſchied. Ernſt. Hr. Fenzl.) Es flogen Kränze und Sträußchen von allen Seiten, als Dlle. Lutzer im Varte der Adina Abſchied nahm von ei nem Publikum, das das Vorzügliche ih rer Leiſtungen zu erkennen und zu wür⸗ digen wußte; eine Taube flatterte, gleich Noah's kühner Seglerin der Lüfte, hin weg über die flut henden Wogen des Bei falls, für die Gefeierte ein Kränzchen im Schnabel haltend; ja wenn ſelbſt die Tauben ſolchen Ent huſtasmus zeigen, um wie viel applausraſender müſſen die Hörenden ſein! Ja wir ſind ganz applausmüde geworden. Nach beendigter Vorſtellung gab es eine beſcheidene Dank⸗ rede, dann Serenade und mehrere to bende Ausbrüche des ungeſtümeſten Bei falls. Hiebei wurden Saktücher, um die naſſen Wangen zu troknen, zerriſſen, um Bouquets geſtritten dc. dc. und dieſe rührende Begebenheit trug ſich zu im Jahre 1840, am 12. Juni, in einer ſchönen Sommernacht. Tags darauf gab Hr. Ernſt ſein 6. Konzert. Er ſpielte ein dreitheiliges Conzertino, die Variationen von Mayſeder und den Karneval Alles, wie es ſich wohl von ſelbſt verſteht mit dem non plus

ultra künſtleriſcher Bravour, mit der großartigſten Vollendung, mit dem er⸗ ſtaunlichſten Mechanismus und der ihm eigenthümlich genialen Virtuoſttät. Er erntete, wie immer, unermeßlichen, ein ſtimmigen Beifall von Seite ſeiner Ver ehrer. Wenn gleich diesmal das Haus nicht ſehr gefüllt war, ſo iſt dies der allgemeinen Erſchöpfung, hervorgebracht durch die vielen aufeinanderfolgenden Vorſtellungen bei erhöhten Eintrittsprei ſen, zuzuſchreiben. Er nſt's erſtes Kon⸗ zert im Theater hat ein Publikum an gezogen, das das größte war, das ſeit Jahren dies Theater faßte. Die zweite Pantomime, die uns Hr. Fenzl unter dem Titel:der Bräutigam als Kaze, vorführte, ſprach mehr an, als die erſte. Es herrſcht darin ein re geres Leben, überraſchende Abwechslung und die allgewöhnliche Prügelmonotonie iſt vermieden. Beſondern Reiz gewähren die mit liebenswürdiger Grazie ausge führten Tänze der kleinen Fenzl's, die recht tüchtige Keime für eine Elsler, Taglioni, Perrot u. ſ. w. in ſich tra gen. In dem efektvollen Schlußtableau bekundete ſich Hr. Fenzl als tüchtiger Arrangeur. Hr. Schellenberger bot, als Pierot, recht komiſche Momente, auch der Grotesk, Joſeph Fenzl, erregte durch ſeine kühnen Salti und ſeine un⸗