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dieſes Inſtitut wieder gewonnene hoch— geb. Frau Marquiſe Erba-Odeschalchi— welche in dieſer Akademie 3 Piecen mit eben ſo ſchöner, runder u. voller Stim— me, als kunſtgerechtem, möglichſt ausge— bildetem Vortrag ſang, einen wahren Triumph.„Das Verſprechen“, ein Lied von Roſſini, trug ſie ſo einfach, ſo zart und ſo hinreißend vor, daß der ſtürmi— ſche Applaus und das Vivatrufen nicht eher endigte, als bis die hohe Virtuo— ſin die Gefälligkeit hatte, daſſelbe zu wiederholen. Im Duett aus der„Se— miramide“ aber— mit Hrn. Chriſtelli — mehr aber noch in der für ſie eigends komponirten Arie mit Chor von Maz— za, zeigte ſie ſich in ihrer ganzen Größe als Bravourſängerin. Enthuſiaſtiſcher Beifall, donnernder Vivatruf ward ihr zu Theil.— Fräulein Wehofer ſpielte Döhler'ſche Variationen zart und ſchön, ja exzellent. Ihr Spiel ſprach weit mehr an, als die Kompoſition. Auch das Lied akkompagnirte ſie eben ſo richtig als be— ſcheiden. Sie wurde wiederholt gerufen und lebhaft beklatſcht.— Hr. Chriſtelli ließ ſeine ſchöne, kräftige Baßſtimme ertönen, und wirkte dermaßen, daß man ihm wiederholten Beifall ſpendete.— Das Orcheſter führte mit gewohnter Präziſion die Ouverture zu„Joſeph und ſeine Brüder“ durch; der Chor war trefflich ſtudirt und exekutirt.— 281 fl. Conv. Münze war das Erträg— niß dieſer Akademie.— In den„Pu- ritanern“ nahm die italieniſche Sän— gergeſellſchaft von uns Abſchied. Auch hierin gab dieſelbe Proben ihrer Tüch— tigkeit, aber auch die des Mangels an Proben; daher die erſte Vorſtellung der „Puritaner“ nicht in der gewohnten Rundung zuſammenging und weniger gefiel. Weit mehr gefiel ſie Tags darauf, beſonders war es Sign. Schieroni-Nulli, welche das Publikum, vorzüglich durch die Wahnſinnsſzene, zur Bewunderung hinriß. 0
Mignon-Zeitung.
London. Dem Luftſegler Herrn Green ſoll es nach zahlreichen Verſuchen gelungen ſein, einen ſehr einfachen Me— chanismus zu entdeken, mittelſt deſſen er ſeinem Vallon eine beliebige Richtung geben, namentlich auch ſich heben und ſenken kann, ohne im erſteren Falle Ballaſt auszuwerfen, oder im anderen Falle Gas ausſtrömen zu laſſen. Mit Hilfe dieſer Vorrichtung will Hr. Green in allem Ernſt noch im Verlaufe dieſes Sommers einen Flug nach Amerika un— ternehmen(2). Die Times gibt eine Beſchreibung des Mechanismus, die aber leider ziemlich dunkel und verworren iſt. Derſelbe ſoll einem Uhrwerke glei— chen, zwei angebrachte Flügel dienen als Steuerruder.
München. Donnerſtag, den 30. April, Nachmittags 4 Uhr werden die Hallen des Vockkellers eröffnet werden, in welchen ſich alle verwandten Geiſter wieder finden. Man ſpricht noch immer davon, daß bis nächſtes Jahr eine neue Bockhalle hergeſtellt ſein wird, und das jezige Gebäude nebſt dem daſſelbe umge— bende Gemäuer zum Abbruch komme. Gut Ding braucht Weile, und ſo wol— len wir hoffen, daß der edle Vock auch noch eine zwekmäßigere Reſidenz bewoh— nen werde.(Auch heuer erſcheint für die Dauer des Mai's wieder ein eigenes „Bockblatt.“)
Berlin. Troz der alljährlich hier zunehmenden ſtarken Bevölkerung ſollen dennoch über 1500 Quartiers leer ſte⸗ hen, die wegen der großen Forderungen der Hausbeſizer nicht vermiethet werden. Unſere Einwohner beſchränken ſich lieber auf kleinere Wohnungen, als daß ſie den größten Theil ihres Einkommens auf den Miethzins verwendeten, was bisher der Fall war, und deßhalb Familien oft in's Verderben ſtürzte. Zu bewundern iſt nur, daß die Häuſer dabei dennoch


