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immer im Steigen bleiben, u. die Bau— luſt bei uns von Jahr zu Jahr zu— nimmt. Entfernt gelegene Dörfer, wo— hin die Berliner Spazierfahrten mach— ten, ſind theilweiſe durch den Anbau uns ſchon ſo nahe gerükt, daß ſie bald zum Umkreiſe der Stadt gezogen wer— den dürften. So gelangt man z. B. jezt nach Schönberg, wo ſich der botaniſche Garten befindet, durch eine ununterbro— chene Häuſerreihe, an deren Stelle, noch vor mehreren Jahren bebaute Felder lagen.
Konſtantinopel. Ein bethle⸗ hemitiſcher Chriſt, Namens Georgi, wohnte im Bezirke Gedda(Aegypten), wo er die Wundarzneikunde ausübte, und ſich durch Verbreitung der Kuhpo— kenimpfung ſehr nüzlich machte. Vor Kurzem ſtarb ein Muſelmann, Abdel⸗ Kader Rahme, nachdem Georgi ihm zur Ader gelaſſen hatte. Die Verwandten des Geſtorbenen, in dem Wahne, Georgi habe einen vorſezlichen Mord begangen, ſchleppten ihn vor die Behörde, und er ward in's Gefängniß geworfen. Das Volk aber, wüthend, daß ein Chriſt ei— nes Muſelmannes Blut vergoſſen, er— bricht den Kerker, bringt den Wundarzt vor dem Kadi, und dieſer verurtheilt ihn zum Tode. Kaum iſt das Urtheil ausgeſprochen, ſo ſtürzt eine Rotte über den Unſchuldigen her, ſchneidet ihm Oh⸗ ren, Hände und Füße ab, reißt die Leiche in Stüke und wirft ſie den Hun⸗ den vor. Die ägyptiſche Regierung hat Befehl gegeben, die Schuldigen ſtreng zu beſtrafen.
Sidney. Die Eingebornen von Auſtralien ſind dadurch ſehr geübt und ſtark im Gebrauche ihrer Zehen, daß ſie von Jugend auf Bäume erklettern, wobei ſie ſich eben ſo viel der Zehen, wie der Finger bedienen. Mit den Ze⸗
hen ſammeln ſie auch Muſcheln aus dem ſchlammigen Boden der Ströme und Seen, und das Fleiſch der Muſchelthiere bildet die tägliche Nahrung der Wei— ber und Kinder. Sie machen aber, wie unſere Diebe, nicht allein lange Finger, ſondern auch lange Zehen. Bei ihren Diebsverſuchen leiſten ihnen auch die Zehen der Füße treffliche Dienſte. Sie treten ſanft auf jeden Gegenſtand, faſ— ſen ihn mit den Zehen, praktiziren ihn dann auf den Rüken oder zwiſchen die Arme und Seite, ſo daß ſie ihn in der Achſelgrube oder zwiſchen dem Vart u. dem Halſe verbergen.
Philadelphia. Bekanntlich ge— ben die nordamerikaniſchen Blätter in Erfindung koloſſaler Lügen dem gefei— erten Münchhauſen gar nichts nach. Ei— nen neuen Beleg hievon erzählt uns der„Adler“ nach dem„Eineinnati Sun“:„Ein Mann, der am großen Fluße in den Wäldern lebte, wurde von den Musquitos(einer Mükenart) ſo arg gequält, daß er in der Verzweif— lung unter einem umgeſtürzten Potta— ſchenkeſſel Schuz ſuchte. Kaum war aber ſein erſtes freudiges Entzüken über ſein glükliches Entkommen und das ſichere Aſyl vorüber, als die Musquitos ihn ausgewittert hatten, und alsbald ihre Rüſſel durch das Eiſen trieben. Zum Glük hatte er einen Hammer in der Taſche; er nietete daher die Rüſſel um, ſo ſchnell, wie ſie durchdrangen. Leider aber heftete er auf dieſe Art in Kur— zem einen ſolchen Schwarm an ſeiner Wohnung feſt, daß ſie ſich erhoben, mit dem Keſſel davonflogen, und ihn ſchuz— los zurükließen.“
Paris. Hier iſt Herr Robiquet, Mitglied der Akademie, einer der aus⸗ gezeichneteſten Chemiker Frankreichs, ge— ſtorben.
Redigirt von der Redaktion d
es Spiegels.


